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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Untaten, denen die Christen in ihren Versammlungen fröhnen sollten,und machten sie zu einer Baude von Verbrechern. Aus sie, als den Aus-wnrs der Menschheit, wälzte daher Nero die Schuld an dem BrandeRoms und eröffnete aus eine Weise, die eines solchen Ungeheuerswürdig war, die Christenv ersolgnngen von feiten derrömischen Kaiser. Die einen ließ er in Tierfelle eingenäht durchHunde zerreißen; andere wurden in Pechhemden gekreuzigt und desNachts angezündet, um den kaiserlichen Gärten als Fackeln zu dienen(64 n. Chr.). Aber selbst die tüchtigsten Kaiser hielten es für ihrePflicht, dem Christentum entgegenzutreten. Sonst hatten die Römerden weisen Grundsatz, den Glauben ihrer Untertanen zu achten und zuschonen; aber es war doch bei ihnen ein altes Gesetz, daß die Bekennenneuer lind unerlaubter" Religionen strafwürdige Verbrecher seien.Wie hätten nun die Kaiser eine Religion gestatten sollen, die alle andernals falsch und lügnerisch angriff und selbst die römischen Götter füreitle Götzen erklärte! Auch erschienen ihnen die Christen als auf-rührerisch gesinnte Untertanen, iveil sie sich weigerten, den Kaiserbildernnach der allgemeinen Sitte Wein und Weihrauch zu opfern, weil sieden Kriegsdienst als Sünde verwarfen nnd überhaupt erklärten, derObrigkeit nur insoweit Gehorsam zu schulden, als ihre Befehle den Vor-schriften ihrer Religion nicht widersprächen. Deshalb verordneteTraf an auf die Allfrage eines Statthalters, wie er sich den Christengegenüber zu verhalten habe, man solle sie zwar nicht aussuchen undanonyme Anzeigen unberücksichtigt lassen; aber wenn sie angezeigtwürden lind sich weigerten, die Götter anzurufen, solle man sie hin-richten. Dieser Erlaß Trajans bildete die Richtschnur, nach der auchseine Nachfolger verfuhren. So waren die Christeil rechtlos im Reiche.Von dem guten Willen eines Nachbars, von der Laune eines Statt-halters hing es ab, ob sie nicht im Zirkus den wilden Tieren vor-geworfen, ans Kreuz geschlagen, lebendig verbrannt oder an Ketten inBergwerke gesperrt wurden; denn das waren die Strafen, welche siealsMajestätsverbrecher" nndGotteslästerer" nach römischem Gesetzzu gewärtigen hatten. Immer war der Pöbel der Städte bereit, beiUnglücksfällen die Schuld auf die Christen zu wälzen und zu rufen:Die Christen vor die Löwen!" Unter Antoninus Pins wurde Poly-