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vinzen betroffen, die unter besonders christenfeindlichen Statthalterngestanden hatten. Jetzt gab Decius den Befehl, die Christen plan-mäßig im ganzen Reiche aufzuspüren und keine Marter un-versucht zu lassen, um sie zum Abfall zu bringen. Die Kirche wankteunter dem furchtbaren Schlage; aber als Decius nach kurzer Regierungim Kampfe gegen die Goten siel und hierauf die Verfolgung ins Stockengeriet, erstarkte sie wieder und stand bald mächtiger da als zuvor. —Schon genossen die Bischöfe hohes Ansehen selbst bei den weltlichenBehörden, schon erhoben sich in allen Städten schöne, geräumige Gottes-häuser, wo die Menge sich zum feierlichen Gottesdienst drängte, unddie Zeit, wo das Christentum über das Heidentum die Oberhand ge-wann, schien nicht mehr ferne. Da versuchte Diokletian, von seinemEidam und Unterkaiser Galerius aufgereizt, gegen Ende feiner Re-gierung noch einen Kampf auf Tod und Leben (303). Zuerst befahl er,alle Kirchen zu zerstören und die heiligen Schriften zu verbrennen, dann,als sein Palast zweimal von Chriftenhand, wie er glaubte, in Brandgesteckt wurde, die Bekenner Jesu durch die Tortur zum heidnischenOpferdienst zu zwingen. Jetzt ward von einem Ende des Reiches zumandern von Behörden und Pöbel aufs gräßlichste gegen die Unglück-lichen gewütet; nicht umsonst hatten die Fechterspiele den Anblickmenschlicher Qualen Millionen zum Lieblingsvergnügen gemacht. Inunzähligen Sagen oder Legenden hat sich das Andenken an dieseSchrecknisse erhalten. Nur Gallien blieb davon verschont, weil hier derchristenfreundliche Unterkaiser Konstantins die Befehle Diokletiansnach Kräften milderte und sich mit der Zerstörung einiger Kirchen be-gnügte. Aber der christliche Glaubensmut erwies sich stärker, als dieerfinderische Grausamkeit der Despoten und ihrer Werkzeuge. Mit derAbdankung Diokletians (305) erlosch im Abendlands die Verfolgung.Im Orient, wo Galerius regierte, wütete sie fort, bis er ihr auf demTodbette Einhalt gebot und damit feine Ohnmacht eingestand (311).
7. Konstantin (312—337). — Kaum der furchtbarstenDrangsal entronnen, gelangte die christliche Kirche zum Siege durch denSohn des Konstantins, Konstantin, der sich in den Thronkriegennach Diokletians Abdankung aus kluger Berechnung offen für dieChristen erklärte. Als er gegen den in Rom herrschenden Maxentius,