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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
Entstehung
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im Laufe der Jahrhunderte tiefsinnige Lehren über Gott, Christus unddie Welt ausgesonnen, dabei aber nur zu oft das Vorzüglichste derGebote Jesu, die Liebe und Duldsamkeit gegen den Nächsten, vergessen.Oft waren über einzelne Punkte der Kirchenlehre verschiedene Ansichtenaufgetaucht und infolge dessen Parteien entstanden, die sich mit bittrerLeidenschaft bekämpften, bis es der stärker», derorthodoxen" oderrechtgläubigen", gelang, die schwächere alsketzerisch" oderirr-gläubig" aus der katholischen, d. i. allgemeinen Kirche auszustoßen.Auch jetzt hatte sich wieder ein heftiger Streit darüber erhoben, obChristus als Sohn Gottes mit Gott wesensgleich oder von ihm ver-schieden, nur sein erstes Geschöpf sei, wie der alexandrinische PriesterArins behauptete. Als selbst das Volk darüber in Gärung geriet, ludKonstantin die Bischöfe des ganzen Reiches nach Nicäa in Kleinasienein, um den Streit zu schlichten. So kam 326 das erste allgemeineKonzil zusammen, eine Versammlung von 3tt0 Bischöfen aus allenProvinzen. Der Kaiser nahm selbst teil daran und entschied gegen dieArianer, woraus das Konzil ihre Ansicht verdammte und die Wesens-gleichheit als die allein rechtgläubige Kirchenlehre verkündete. Nochwurden zwar die Ketzer nicht verbrannt wie später; Arins und seineAnhänger mußten bloß in die Verbannung wandern. Da indes Kon-stantin bald andern Sinnes wurde und auch unter seinen Nachfolgerneinzelne die Arianer begünstigten, dauerte der Kampf fort. At ha-tt asius, Bischof von Alexandrien, der streitbarste Vorkämpfer derOrthodoxen, wurde fünfmal von den Kaisern verbannt und zurückberufen.Endlich ließ Kaiser Theodosius der Große die arianische Ketzereidurch ein neues Konzil verurteilen (381) und unterdrückte sie mit Gewalt.

3. Julian (361363). Ende des Heidentums. Wiehätten die Christen, die unter sich selber keine Duldung kannten, derGötzendiener länger schonen sollen! Schon die Söhne Konstantins,Constantins und Constans, die das Reich unter sich teilten, be-fahlen die Tempel zu schließen und verboten unter schweren Strafen zuopfern. Anders der Kaiser, der auf sie folgte, der kriegswichtige undhochgebildete Julian, ein Brnderssohn Konstantins. Die Greuel-taten seiner christlichen Vettern, die von all ihren Verwandten nur ihmdas Leben gelassen hatten, der geistlose Zeromoniendienst, mit dem er