13
in seiner traurigen Jugend von den Priestern geplagt worden war, dererbitterte Sektenhader hatten ihm das Christentum ebenso verhaßt ge-macht, wie ihn die herrlichen Werke der Alten für die heidnische Vor-zeit begeisterten. Er gab sich daher alle erdenkliche Mühe, um die alteReligion wieder herzustellen. Nicht daß er die Christen verfolgt hätte,dazu war er zu klug und zu edel; aber er behandelte sie, mit Hohn undVerachtung und setzte sie, wo er konnte, gegen die Heiden, selbst gegendie Juden zurück. Aber das Heidentum war tot, und Julian vermochtees nur zu einem Scheinleben zu erwecken, das sofort erlosch, als erschon nach 20 Monaten in einem Kriege gegen die Perser fiel. —Julians Nachfolger waren wieder eifrige Christen. Theodofins derGroße erklärte durch ein Gesetz jede Art von Götzendienst als eintodeswürdiges Verbrechen (392 n. Chr.). Jetzt begannen die Christendie Heiden zu verfolgen. Fanatische Mönche und Priester reizten dieMenge allerorten zur Zerstörung der heidnischen Tempel auf, und dieschönsten Bau- und Bildwerke des Altertums sanken in Trümmer. InAlexandrien schleppte der Pöbel, vom Bischof aufgehetzt, eine hoch-gebildete heidnische Lehrerin, namens Hypatia, der selbst Christenmit Begeisterung zuhörten, in eine Kirche und riß sie in Stücke. Soerwirkten die Härte des Gesetzes und die rohe Gewalt, was weder dieinnere Überzeugung noch die. Aussicht auf äußere Vorteile vermochthätten. Das Heidentum der alten Griechen und Römer war vernichtetoder fristete nur noch als „Bauernreligion" ein verborgenes Dasein.Nach einem Kampfe von drei Jahrhunderten hatte die christliche Kirchedas ganze Römerreich erobert und damit gleichsam eine neue Welt andie Stelle der alten gesetzt.
10. Der Gottesdienst. — Der Gottesdienst der ältestenChristen war sehr einfach. So oft sie konnten, versammelten sie sich imHause eines der Ihrigen zum Gebet und Bibellesen, zu erbaulichen An-sprachen und heiligen Gesängen, woran sich ein gemeinsames „Liebes-mahl" schloß. Wenn auch die Gütergemeinschaft die Anfänge der Ur-gemeinde in Jerusalem nicht überdauerte, so hatte doch jede Gemeindeihre gemeinsame Kasse, aus der die Armen und Hülfsbedürftigen unter-stützt wurden. In dem Grade, als die Gemeinden wuchsen, büßte dieChristenversammlung ihren vertraulichen Charakter ein. Bestimmte