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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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2. Die Kurfürsten. Unter den deutschen Landesherren nahmenseit dem Interregnum den ersten Rang die sieben Kurfürsten ein,auf die sich allmählich das Recht, den römischen König zuküren", d. i.zu wählen, beschränkt hatte, weil sie als Inhaber der sogen. Erzämtermit dem Hofe in engerer Verbindung standen als die übrigen Großen.Von diesen Wahlsürsten waren drei geistliche: der Erzbischof vonMainz als Erzkanzler von Deutschland, der von Köln als Kanzlervon Italien, der von Trier als Kanzler von Burgund, und vier welt-liche: der Pfalzgraf bei Rhein als Truchseß, der Herzog vonSachsen als Marschall, der Markgraf von Brandenburg als Käm-merer und der König von Böhmen als Schenk. Die sieben Kurfürstenverstanden es vortrefflich, ihr Recht, wenn nicht zum Nutzen des Reiches,so doch zu ihrem eigenen auszuüben. Von jedem Bewerber um die Kroneverlangten sie als Bedingung ihrer Gunst wieder ein Stück der kaiser-lichen Rechte und Güter, bis nichts mehr zu verschleudern war und derhöchste Herr der Christenheit als solcher fast keine Macht und keine Ein-künfte mehr besaß. Sie verfügten nach ihrem Belieben über den Thron;wie sie die Herrscher wählten, so maßten sie sich auch das Recht an, sieunter Umständen wieder zu entsetzen, und verlangten, daß sie nichts ohneihre Zustimmung vornehmen dürften. Doch beriefen die Kaiser von Zeitzu Zeit auch sämtliche Fürsten zu Reichstagen ein, um mit ihnen überdie Angelegenheiten des Reiches zu beraten. Im Gefühle, daß sie gegen-über den Fürsten wenig mehr bedeuteten, suchten die Kaiser sich dadurchzu helfen, daß sie sich eine Hausmacht gründeten, d. h. daß sie die Zeitihrer Regierung benutzten, um möglichst umfangreiche erbliche Fürsten-tümer an ihr Haus zu bringen. Sobald freilich ein Geschlecht den Kur-fürsten auf diese Weise zu stark zu werden drohte, pflegten sie die Kronevon ihm zu nehmen und sie auf ein anderes schwächeres zu übertragen.

3. Begründung der Hausmacht der Habsburger (1278)und Luxemburger (1310). So hatten sie Rud ols von Habs-burg (12731291) zum König gewählt, weil er als bloßer Gras imVergleich zu ihnen machtlos war. Mit rühmenswerter Tatkraft suchteindes dieser kluge Herrscher in dem arg zerrütteten Reiche Friede undOrdnung herzustellen. Mancher frecheb Raubritter erfuhr die Stärkeseines Armes, und dies, sowie sein schlichtes, leutseliges Wesen erwarb