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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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unverrichteter Sache anseinandergehen. So war es offenbar geworden,daß von den Konzilien keine Heilung der Schäden der Kirche erwartetwerden durfte. Um den apostolischen Stuhl aber wurde es je länger jeschlimmer bestellt. Entweder waren seine Inhaber gebildete Humanisten,die leidenschaftlich Bücher sammelten und schöne Bauten errichteten, aberwenig kirchliche Gesinnung hegten, oder es waren geradezu Nichtswür-dige, wie der Spanier Alexander VI. aus dem Hause Borgia, deran Schamlosigkeit und Grausamkeit den schlechtesten römischen Kaisernebenbürtig war. Zur Zeit dieses verworfenen Papstes erhob sich nocheinmal eine mächtige Stimme gegen die herrschende Verderbnis. InFlorenz, das eben die Medici vertrieben und die Demokratie wiederhergestellt hatte, gewann der Dominikanermönch Savonarola durchseine herzerschütternde Beredsamkeit einen solchen Einfluß, daß Männerund Frauen aus den vornehmsten Häusern ihre Lnxnssachen öffentlichverbrannten, um ein neues sittenstrenges Leben zu beginnen. In seinenPredigten schonte Savonarola auch des Papstes nicht. Als ihn dieserzum Schweigen zu bringen suchte, indem er ihm den Kardinalshnt anbot,ließ er ihm sagen, er begehre keinen andern roten Hut als den der Mär-tyrer. Da schleuderte Alexander gegen ihn den Bann. Savonarolakümmerte sich nicht darum, aber bald darauf kamen seine Gegner inFlorenz obenauf. Er wurde verhaftet und starb, vom Papst als Ketzerund von der Regierung als Aufrührer verurteilt, am Galgen. Schontrug sich Alexander VI. mit dem Plane, den römischen Stuhl in ein erb-,liches Fürstentum für seinen Sohn, Cäsar Borgia, der des Bruder-mordes verdächtig war und jedes Verbrechens für fähig galt, umzu-wandeln, da soll er aus Versehen vergifteten Wein, den er bei einerMahlzeit einem Kardinal zugedacht hatte, getrunken haben und darangestorben sein. Wohin war es mit der Kirche gekommen, daß ein solcherMensch 11 Jahre lang ungestraft an ihrer Spitze schalten konnte?

VI. Islam und Christentum.

Außer den S. 1 erwähnten Werken von Iorga, Hrrtzbsrg, Schäfer hmd Schirrmachervgl. Ankeifen, Geschichte des osmanischen Reiches, 7 Bde. prssoott, ^istor^ ok tlie rei§n ok^eräinLNlZ anä Isabetta, 3 Bde., deutsch in 2 Ddn.

li Untergang des Kalifen reiches (1258). Währenddas christliche Abendland trotz des Verfalles seiner Kirche einer immer