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setzt, und Sigmund ließ sich sür seinen Wortbruch durch einen Beschlußdes Konzils trösten, der das von Kaisern, Königen und Fürsten denKetzern oder der Ketzerei Verdächtigen erteilte Geleite für ungültig er-klärte. Nach langer Kerkerqual wurde Hus 1415 vor das Konzil ge-führt, das eben den toten Wiklis als Ketzer verdammt hatte, und zumWiderruf seiner Meinungen aufgefordert. Als er sich standhaft weigerte,seine Überzeugung zu verleugnen, wurde auch er als Ketzer verurteilt,seines Priestergewandes beraubt und mit der papiernen Ketzermütze aufdem Haupte zum Scheiterhaufen geführt. Im Jahr darauf erlitt seinFreund und Gesinnungsgenosse Hieronpmus von Prag dasselbeSchicksal. Aber die Böhmen brachten ihren geliebten Lehrern ein furcht-bares Tvtenopfer. Die Anhänger des Hus, nach ihm Hussiten genannt,erhoben sich in wildem Zorn und nahmen blutige Rache an Mönchenund Geistlichen. Vergebens setzte Kaiser Sigmund die Truppen desReichs gegen sie in Bewegung, vergebens ließ der Papst gegen sie dasKreuz predigen. Die Hussiten schlugen unter ihren kriegstüchtigen Feld-herrn, dem blinden Ziska und Prokop dem Großen, die größtenHeere in die Flucht und setzten ein Jahrzehnt lang ganz Deutschlanddurch verheerende Raubzüge in Furcht und Schrecken. Das Konzil zuBasel entschloß sich, mit den unbesiegbaren Ketzern zu verhandeln. Einegroße Gesandtschaft der Hussiten, an ihrer Spitze der gefürchtete Prokop,erschien 1433 in Basel. Die Zugeständnisse, die ihnen das Konzil ge-währte, wie der Gebrauch des Kelches beim Abendmahl, bewirkten, daßdie Böhmen sich entzweiten. In heißem Kampfe warfen die Gemäßigtenihre Gegner nieder und Sigmund konnte am Abend seines Lebenswieder als König in Böhmen einziehen. Aber die von seinem Vater ge-schaffene Blüte des Landes lag in Schutt und Trümmern.
6. Konzil von Basel (1431—1448). Alexander VI. undSavonarola (1498). — Noch während des Hussitenkrieges warabermals ein Konzil in Basel zusammengetreten. Dieses nahm mit ent-schlossenem Mute den Kamps gegen die Mißbräuche der römischen Kurieauf; einen Papst, der sich ihm entgegenstellte, erklärte es sogar sür ab-gesetzt. Aber es sah sich außer stände, seinen Beschlüssen Kraft zu ver-leihen, da der Papst den Kaiser Friedrich III. und die meisten Fürstenfür sich zu gewinnen wußte, und es mußte nach langen Beratungen
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