lauf, indem er dem Sultan vor Belgrad eine schmähliche Niederlagebereitete (1456). Allein die Balkanhalbinsel war der europäischen Ge-sittung verloren. Barbaren geboten jetzt über sie, die durch Abstammung,Sitte und Religion, wie durch eine unausfüllbare Kluft, von den Be-siegten getrennt, sich nie mit ihnen verschmelzen und nur durch die rohesteGewalt ihre Herrschaft aufrecht erhalten konnten. Zu welchen Mittelnsie dabei greifen mußten, zeigte ein Gesetz Mohammeds II., das, umZerrüttungen im Herrscherhause vorzubeugen, es jedem Sultan zurPflicht machte, bei der Thronbesteigung alle seine Brüder zu ermorden.Die Untertanen gewaltsam zum Islam zu bekehren, verschmähten sie;dagegen wurde ein großer Teil zu Leibeigenen gemacht und samt ihrenGütern als Lehen an Türken gegen die Verpflichtung zum Reiterdienstverteilt. Alle Christen mußten schwere Steuern entrichten und Fron-dienste leisten. Am drückendsten war der „Knabenzins". Alle fünf Jahrewurden nämlich die schönsten und kräftigsten Christenknaben ihren Elternentrissen, im Islam auserzogen und zum Kriegerberufe vorbereitet.Daraus ging das gefurchtste Fußvolk der Janitscharen hervor, dasdie vorzüglichste Stütze des osmanischen Reiches wurde.
4. D er Fall Gran ad as (1492). — Während der Islam sichin der östlichen der drei Halbinseln Südenropas festsetzte, ging ihm dafürdie westliche verloren. Der Kalifat von Cordova war nach einer herr-lichen Blüte verfallen und hatte sich in eine Menge kleiner, unter sichuneiniger Reiche aufgelöst. Wenn die Mauren, wie man die Moham-medaner in Spanien nannte, nicht schneller den Christen unterlagen, sogeschah es, weil auch diese ihre Kraft geteilt hatten und in mehrereStaaten zersplittert waren. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts warenes noch vier, drei größere, Portugal an der Westküste, Kastilien inder Mitte und Aragon im Osten, und ein kleineres, Navarra, zubeiden Seiten der Pyrenäen. Portugal, nachdem es sein Südende er-reicht, hatte sich auf die Seefahrt geworfen. Aragon hatte sich im Mittel-meer ausgebreitet, Sardinien und Sizilien gewonnen; aus Kastilien wardagegen der Löwenanteil der den Mauren abgenommenen Ländermassegefallen. Nur im äußersten Süden, auf den Abhängen der Sierra Ne-vada, bestand noch ein kleines mohammedanisches Königreich mitder Hauptstadt Granada. — Da vermählte sich im Jahre 1469 der