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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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staatsklnge Ferdinand von Aragon mit der schönen Isabella, derThronerbin von Kastilien, nnd von 147!) an regierten die beiden ihreLänder gemeinsam, wodurch der Grund zni» vereinigten KönigreichSpanien gelegt war. Jetzt schlug die Todesstunde für den Islam inder Halbinsel. Ferdinand und Jsabella eröffnete» den Angriff aus seinletztes Bollwerk; eine maurische Stadt um die andere fiel in ihre Hände,zuletzt auch Granada (1492). Während die Türken das Christentumduldeten, ließen die Spanier den besiegten Mauren nur die Wahl, ent-weder auszuwandern oder ihre Religion abzuschwören und das Christen-tum anzunehmen. Ja, um diejenigen auszuspüren, die etwa sich öffent-lich zum Kreuz bekannten, heimlich aber ihrem allen Glauben lebten,errichteten Ferdinand nnd Jsabella mit päpstlicher Erlaubnis ein ständigesInquisitionsgerichtmit einem Großinquisitor an der Spitze,das aus den leichtesten Verdacht hin jedermann verhaften nnd dem welt-lichen Arm znm Feuertods überliefern konnte. Vom König wurden dieInquisitoren ernannt und ihm fielen die eingezogenen Güter der Ver-urteilten zu. Unter dem ersten Großinquisitor, dem DominikanerpriorTvrqnemada, wurden 2000 solcher Unglücklicher verbrannt. Derachthundertjährige Glaubenskampf hatte einen solchen Fanatismus inden Spaniern erzeugt, daß die Verbrennung der Ketzer unter dem NamenAnt »dass, d. i. Glaubenshandlung, zu einem regelmäßigen Volks-schanspiel wurde, dem auch der Hos auf einem eigens errichteten Schau-gerüste beiwohnte. Im übrigen erwarben sich dieKönige", wie mandas Herrscherpaar nannte, große Verdienste um das Land, indem sieder Raub- nnd Fehdelnst des Adels unnachsichtlich ein Ende machten.Dabei stützten sie sich vornehmlich auf die Städte, die unter königlicherGenehmigung einen großen Bund bildeten, die Hermandad,*) d. i.Brüderschaft, und auf ihre Kosten ein starkes stehendes Heer von Reiternnnd Fußvolk unterhielten, das sie den Herrschern gegen die mächtigenRuhestörer znr Verfügung stellten. So trat auch die Pyrenäcnhalbinselin die Reihe der gekräftigten, einheitlichen Staaten, und gerade sie sollteder Ausgangspunkt der glänzenden Ereignisse sein, mit welchen nachherkömmlicher Weise die Geschichte der Neuzeit eröffnet wird.

*) Als der Krone dieser Beistand der Siädle entbehrlich wurde, löste sie diealle Hermandad auf nnd der Name qinq in, U>. Iahrhnnderl auf ein Corps vonPolizeisoldalcn über. _