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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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2. Das Wunderland Indien. Den Hanptanstoß zu diesenFahrten gab das Verlangen der Europäer, in direkten Verkehr mit denuralten Kulturländern Ostasiens zu treten, die man mit EinschlußChinas und Japans damals insgesamt Indien nannte. Nur wenigeeuropäische Reisende, Missionäre oder Kaufleute, wie der kühne Vene-tianer Marco Polo, waren über Land bis in jene Gegenden gedrungen;aber man wußte, daß sie die Heimat der geschätztesten Produkte waren,wie des Pfeffers, des Zimmets und anderer Gewürze, von Räucherwerk,edlen Hölzern, Arzneimitteln, Edelsteinen, Perlen, Seide, Elfenbein usw.,die man von alters her durch Vermittlung der Westasiaten und Ägypterbezog. Auf drei Hauptwegen gelangten die indischen Waren in die mittel-ländischen Häfen, wo sie vornehmlich von Venetianern und Gennefenabgeholt wurden: entweder zu Lande durch Karawanen über die Gebirgeund Wüsten Jnnerasiens bis an die Kafpische See und auf dieser, derWolga und dem Don ins Sch warze Meer, oder zu Schiff in denpersischen Golf, den Tigris aufwärts bis Basra und Bagdad und vonda durch die Wüste nach den Häfen Syriens oder endlich an dasNordende des Roten Meeres- von da nach Kairo und nilabwärts nachAlexandrien. Da ein Handelsweg nm so sicherer und wohlfeiler ist,je länger er zu Wasser geht, so war der letzte weitaus der beste; aberdieser Vorteil wurde aufgehoben durch die außerordentlich hohen Zölle,womit die ägyptischen Sultane ihre Schatzkammern füllten. In Alexan-drien mußten die Europäer das Drei- und Fünffache der Preise bezahlen,welche die Waren in den indischen Häfen kosteten. Wie hätten sie danicht nm jeden Preis trachten sollen, einen direkten Seeweg nach jenenLändern aufzufinden, von denen auch sonst Wunderdinge in Menge er-zählt wurden! In China sollte es Städte mit silbernen Mauern undvergoldeten Palästen geben, und die große Insel Zipangn, wie MarcoPolo Japan nannte, wimmelte nach feinem Berichte von Gold und Edel-steinen.

3. Erforschung Afrikas durch Heinrich den Seefahrer(14161460). Diesem Wunsche stand jedoch der Erdkoloß Afrikaiin Wege, der, abgesehen von seinen mittelländischen Gestaden, nochvöllig unbekannt war. Kein europäisches Schiff war an der Westküsteüber die Grenzen Marokkos hinausgekommen; der tote Strand der