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Halbinsel Jukatan findet, von ihrer hochentwickelten Banknnst. Ander-seits freilich hatte bei ihnen der Brauch, den Göttern Menschen zu opfern,eine so entsetzliche Ausdehnung erlangt, wie kaum je bei einem Volke.Ein Stamm, die Azteken, herrschte über die meisten andern; seineHauptstadt Mexiko, welche auf Inseln inmitten eines Sees lag undnur durch lange Dämme mit dem Festlande in Verbindung stand, wardie blühendste des Landes und übertraf das heutige Mexiko an Größeund Pracht. Aber die unterworfenen Völkerschaften trugen ihr Jochmit Ingrimm und waren stets bereit, mit dem Feinde gemeinsame Sachezu machen. So läßt es sich begreifen, daß das mächtige Reich die Beuteeines Abenteurers werden konnte. — Kaum hatte nämlich der Statthaltervon Cuba, Velasquez, davon Kunde erhalten, rüstete er eine stattlicheFlotte aus, zu deren Befehlshaber er den Ferdinand Cortez,einen jungen Offizier von erprobter Geistesgegenwart und unerschrocken-stem Mute, bestimmte. Bald darauf widerrief er diese Wahl; aberCortez, der die Herzen der Mannschaft für sich zu gewinnen wußte,segelte dennoch ab und landete mit einem Heere von 670 Mann und14 Kanonen in Mexiko. Zuerst legte er den Grund zur HafenstadtVeracruz; dann zerstörte er sämtliche Schiffe, um seinen Gefährtenjede Hoffnung auf den Rückzug abzuschneiden, nnd trat den verwegenenMarsch ins Innere des dichtbevölkerten, unbekannten Landes an. Ausdem Wege stieß er aus das tapfere Volk der Tlaskalaner, das seineFreiheit gegen die Azteken behauptet hatte, und schloß mit ihnen, nach-dem er sie in hartem Kampfe besiegt, ein Freundschaftsbündnis, dasihm in der Folge sehr zu statten kam. Im übrigen erfuhr er keinengroßen Widerstand. Der Donner der Geschütze und der ungewohnteAnblick der Reiter erfüllten die Mexikaner mit Staunen und Erfurcht;auch bestand unter ihnen eine alte Weissagung, es würden dereinstMänner von Sonnenaufgang her ihr Reich unterwerfen, weshalb ihrHerrscher Montezuma wie gelähmt war. Umsonst versuchte er durchreiche Geschenke die unheildrohenden Fremdlinge zum Rückzug zu be-wegen. Schon standen diese vor den Toren der Hauptstadt; da ging erihnen entgegen und bereitete ihnen eine freundliche Ausnahme. Dennochtraute Cortez dem Könige nicht und nahm ihn nach einigen Tagen mittenin seinem Palaste gefangen, um an ihm eine Geisel für seine Sicherheit