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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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und Johannas vereinte nun Karl V. mit der Kaiserkrone sowohl denBesitz der österreichischen Erbstaaten, als auch den der ehemalsvon Karl dem Kühnen beherrschten Niederlande und der Freigras-schast, sowie denjenigen Spaniens, Neapels und der neuen Welt.Seit Karl dem Großen hatte die Welt kein Reich mehr gesehen wie dasKarls V., des Königs von Spanien und römischen Kaisers. Rastlosbestrebt, es noch zu vergrößern, erhob Karl nun auch noch Anspruch aufdie Lombardei als altes deutsches Reichsland, und da Franz I. seineEroberung nicht aufgeben wollte, entbrannte 1521 ein Krieg, der, durchdrei Friedensschlüsse je auf kurze Zeit unterbrochen, 23 Jahre dauerteund Italien mit Tod und Verwüstung erfüllte. Nach manchen Wechsel-fällen wurde Franz I. 1525 in einer Schlacht bei Pavia selber ge-fangen und mußte, nach Madrid geschleppt, nicht nur auf die Lombar-dei verzichten, sondern selbst in die Abtretnng des französischen Herzog-tums Burgund willigen, worauf Karl V. als Nachkomme Karls desKühnen sein Recht geltend machte. Aber kaum sah sich Franz wiederfrei, schlug er von neuem los und gewann dabei den Papst als Bundes-genossen. Infolgedessen rückten die deutschen Landsknechte und Spanier,aus denen das kaiserliche Heer bestand, 1527 auf Rom los und er-stürmten es. Der Papst rettete sich in die Engelsburg und mußte vonda mit ansehen, wie er von den lutherisch gesinnten deutschen Kriegernverhöhnt wurde. Die Stadt aber, in der die Schätze des Abendlandeszusammengeflossen waren, erlitt eine Plünderung, wie einst von denGoten und Wandalen. Auch sonst war das Glück Franz I. wenig hold,und in dem sogenannten Damensrieden von Cambrap, denseine Mutter mit der Tante des Kaisers 1629 abschloß, mußte er vonneuem Italien seinem Gegner gänzlich preisgeben, wogegen dieser aufeine Rückgabe Burgunds verzichtete.*) Mittlerweile hatten die Habs-burger eine neue Erwerbung im Osten gemacht. Im Jahre 1526 warder König von Ungarn und Böhmen im Kampfe gegen die Türken

*) Der Friede von Cambray brachte einer glorreichen Demokratie den Unter-gang. Florenz hatte sich mit Franz I. verbündet, wurde aber von ihm preis-gegeben, 1830 nach zehmnonatiger heldenmütiger Verteidigung von einem kaiser-lichen Heere eingenommen und als erbliches Fürstentum den vertriebenen Medicisübergeben, die sich bald darauf Großherzoge von Toscana nannten.