mäßige Erbe dieses längst ausgestorbenen Hauses. Wenig fehlte, daßauch das stolze Venedig einem gewaltigen Bunde erlegen wäre, denKaiser Maximilian, Ludwig XII. von Frankreich, Ferdinand vonSpanien und Papst Iulius II. in Ca m brap zur Vernichtung derRepublik schlössen (Liga von Cambray 1509). Aber den Papst gereutediese Handlung bald; er sprengte den Bund und wandte fortan seinganzes Sinnen und Trachten darauf, Italien von den „Barbaren", wieer die Franzosen nannte, zu befreien. Er versicherte sich zu diesem Zweckeder Hilfe der berühmtesten Krieger Europas, der Schweizer, die seineErwartungen erfüllten und die Franzosen durch den glorreichen Siegvon Novara(1513) aus der Lombardei hinausschlugen. LudwigsNachfolger, der jugendliche, nach ritterlichen Taten gelüstende Franz I.(1515—47), zog jedoch zwei Jahre später wieder mit gewaltiger Heeres-macht über die Alpen. Einen Teil der Schweizer, welche die Lombardeibeschützen sollten, bewog er durch Versprechungen zum Abzug und dieübrigen besiegte er, dank seiner Übermacht und venetianischer Hilfe, inder zweitägigen „Riesenschlacht" von Marignano (1515). Damitschien Mailand sein; denn das Geld und die ehrenvollen Friedensan-träge des Königs bewirkten, daß die Schweizer auf eine Rache fürMarignano verzichteten und Frieden, später sogar Bündnis mit ihmschlössen.
2. Krieg zwischen Franz I. und Karl V. (1521—29). DieTürken vor Wien (1529). — Dafür erstand Franz I. ein furchtbarerNebenbuhler inKarl V., in welchem das Kaisertum noch einmal imalten Glänze erschien, weil er schon durch seine ererbten Kronen alleinder mächtigste Fürst Europas war. Das Haus Habsburg war nämlichdurch zwei aufeinander folgende Heiraten*) in den Besitz des halbenAbendlandes gekommen. Maximilian von Oesterreich hatte sichmit Maria von Burgnnd, der Erbtochter Karls des Kühnen, ver-mählt und von ihr einen Sohn erhalten, Philipp, der sich wiederummit Johanna, der Tochter und Erbin Ferdinands von Aragon undJsabellas von Kastilien, verheiratete. Als erstgeborener Sohn Philipps
*) Daher der Vers: „Leitn ^eraut uiii, tu tsiix Xustria uube". —„Oesterreich, beglücktes, was andere im Krieg, erwirbst du durch Heirat".