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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Teil seines Fürstentums samt der Kurwürde dem Verräter Moritz.Land gras Philipp wußte nichts besseres zu tun, als sich nach demRate Moritzens, der sein Schwiegersohn war und sich für seine Sicher-heit verbürgte, dem Kaiser zu Füßen zu werfen und ihn um Vergebunganzuflehen. Sein Land behielt er; aber, wie Johann Friedrich, mußteer als Gefangener dem Kaiser folgen, wohin es diesem beliebte, undwurde nach einem Fluchtversuche fast wie ein gemeiner Verbrecher inhartem Gewahrsam gehalten.

5. Passauervertrag und Religionsfriede zu Augsburg(185255). Karls V. Abdankung (1556). Der siegreiche Kaisererließ nun von Augsburg aus ein Gesetz, das sogen. Interim, woriner den Protestanten gebot, ihre Neuerungen bis auf wenige abzuschaffen,und auch diese nureinstweilen" (lat. Iiitsriin) bis zur endgiltigen Ent-scheidung durch das Konzil zuließ. Es wäre um die Reformation ge-schehen gewesen, wenn nicht Moritz von Sachsen sie durch einen zweitenVerrat gerettet hätte. Erbittert über die harte Behandlung seinesSchwiegervaters Philipp, stiftete er heimlich einen neuen Bund derprotestantischen Fürsten unter sich und mit König Heinrich II. vonFrankreich, Franz I. Nachfolger, welchem er die ReichsfestungenMetz, Toul und Verdun zum Lohn verhieß. Ein Meister in derVerstellung, wußte Moritz den Kaiser bis zum letzten Augenblick zutäuschen. Schon hatte er ein Heer gesammelt unter dem Vorwande,das widerspenstige Magdeburg zur Annahme des Interims zu zwin-gen, da rückte er plötzlich gegen den Kaiser, der sich zu Innsbruck auf-hielt. Dieser, der an solche Treulosigkeit nicht hatte glauben wollen,entkam mit genauer Not bei Fackelschein über die Alpen. Zugleich schlugder französische König los und nahm verabredetermaßen die drei Städteweg. Auch die Türken regten sich, und so mußte denn der von allen.Seiten bedrohte Kaiser sich gern oder ungern entschließen, durch seinenBruder Ferdinand 1552 mit Moritz zu Pas sau einen vorläufigenFriedensvertrag einzugehen, der 1555 nach langwierigen Unterhandlun-gen auf einem Reichstage zu Augsbnrgin einen endgiltigen Religions -frieden umgewandelt wurde. Danach sollten die Anhänger der Augs-burger Konfession mit den Katholiken gleiche Rechte haben und beidevöllige Religionsfreiheit genießen. Freilich galt diese Religionsfreiheit

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Oechsli, Bilder II und III. i.