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nicht etwa für jeden einzelnen, sondern nnr für die Regierungen, denendas Recht zuerkannt wurde, ihre Untertanen zur Annahme des einenoder anderen Bekenntnisses zu zwingen; daher das Sprichwort: „6usu8i'sZio, ssri8 rsIiZio" („Wem das Land, dem gehört auch die Religion").Auch waren andere Protestanten, wie die Zwinglianer und Calvinisteu,von der Duldung ausgeschlossen. Über einen Punkt vermochte man sichnicht zu einigen, nämlich was aus den Bischöfen und anderen geist-lichen Fürsten werden sollte, die zum Luthertum übertraten. DieKatholiken verlangten, daß damit der Verlust ihrer Würde verbundensein sollte; die Protestanten wollten dies jedoch nicht zugeben, und soblieb dieser „geistliche Vorbehalt" unerledigt, der Keim künftigerZwietracht. — Inzwischen hatte sich Karl V. umsonst bemüht, denFranzosen ihre Beute wieder zu entreißen. Als er 1552—53 Metzbelagerte, ging ihm ein Drittel seines Heeres in der Winterkälte zuGrunde, ohne daß er etwas ausgerichtet hätte. Seine Mißerfolge, so-wie zunehmende Kränklichkeit machten den Kaiser so mißmutig, daß er-zürn Erstaunen der Zeitgenossen 1556 seine Kronen freiwillig nieder-legte. Die Niederlande, die Freigrafschaft und Spaniensamt den Besitzungen in Italien und der neuen Welt übergab erseinem Sohne Philipp II. Die Kaiserwürde dagegen überließ erseinem Bruder Ferdinand I., dem Herrscher der österreichischenLande, der schon längst unter dem Titel-eines römischen Königs alssein Stellvertreter in Deutschland gewaltet hatte. So teilte sich dasHaus Habsburg in eine spanische und eine österreichische Linie.Dann zog sich Karl V. auf ein Landgut zurück, das er sich neben demKloster Inste in Estremadura hatte erbauen lassen, und starb nach zweiJahren, nachdem er auch von seiner Klostereinsamkeit aus die Inter-essen seines Hauses sorgsam überwacht und noch oft in die Geschicke derWelt eingegriffen hatte.
V. Die Reformation in der Schweiz und im übrigen Europa.
Vergl. außer den S. 1 erwähnten Werken von Dierauer und Dändliter Egli» SchweizerischeVeformationsgeschichte. Moerikofer, Vlrich Zwingli, 2 Bde. Stähelin» Huldreich Zwingli, 2 Bde.Karnpschulte, Johann Calvin, seine Kirche und sein Staat in Genf, 2 Bde. Doumsi'gus, )ermCalvin, 6 Bde. öorgsaukl, äe Calvin. kilsrls «1'Ludlgnö, k^istoire äe la Hekormation
en Lurope aux temps äe Calvin, 8 Bde. Weiding, Schwedische Geschichte im Zeitalter der Refor-mation. Vergl. außer den S. 1 erwähnten Geschichten Englands von Drosch und Green ssrouclv,I-Iistor^ ok Lnxlanä krom tke fall ok V/oIsez? to ttie cleatli ok Liisabetli, 12 Bde.