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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Um ein Haar wäre der Religionskrieg schon jetzt ausgebrochen, zumalsich Heinrich IV. eben anschickte, den deutschen Protestanten seine mächtigeHilfe zu gewähren. Sein Tod vertagte jedoch den Kampf, und zugleichgeriet die Ketzerverfolgung in Österreich wegen eines Hausstreites derHabsburger ins Stocken. Die Verwandten Rudolfs II. suchten ihmwegen „Gemütsblödigkeit" die Regierung zu entziehen und seinem ehr-geizigen Bruder Matthias zu übertragen. Daraus entspann sich einStreit zwischen den beiden Brüdern, den ihre protestantischen Unter-tanen trefflich ausnutzten, um sich die freie Glaubensübung verbriefenzu lassen. So mußte Rudolf diese den Böhmen in dem sogenanntenMajestätsbrief zugestehen, den Matthias, als er den Bruder auchhier von der Herrschaft verdrängte, mit allen Rechten des Landes feier-lich bestätigte. Sobald er sich aber im unbestrittenen Besitze des Thronessah, suchte er durch allerlei jesuitische Winkelzüge den Majestätsbrieszu nichte zu machen und die Ausrottung des Protestantismus zu be-treiben. Kirchen, welche die Protestanten erbauten, wurden geschlossen,protestantischen Dörfern katholische Pfarrer vorgesetzt und alle Klagenin Wien schroff abgewiesen.

2. Der böhmische Aufstand (1618—20). — Noch zwangindes die Rücksicht auf die Thronfolge Matthias zu einiger Schonung.Da er selbst kinderlos war, gedachte er sie seinem Vetter Ferdinand II.von Steiermark zuzuwenden. Dieser war, wie sein Jugendfreund Maxvon Bayern, ein Zögling und fanatischer Verehrer der Jesuiten. Auseiner Wallfahrt hatte er einst das Gelübde abgelegt, daß er alle Sektenund Irrlehren aus den von ihm ererbten Landen vertreiben wolle, undsollten diese darob zur Wüste werden. Den Anfang hatte er mitSteiermark gemacht, wo er als Herzog regierte und mit Hilfe vonSoldaten, Kapuzinern und Jesuiten die Ketzerei gründlich ausrottete.Matthias besorgte nun, daß die größtenteils protestantischen Böhmen,gestützt auf ihr altes Wahlrecht, einem solchen Herrscher die Anerkennugverweigern und vom Hause Österreich abfallen könnten, und suchte da-her noch bei seinen Lebzeiten Ferdinand die Krone zu sichern. Wirklichgelang es ihm, den böhmischen Landtag, wie man die Abgeordneten desAdels und der Städte nannte, dahin zu bringen, daß er Ferdinand alsKönig annahm, unter der Bedingung, daß-er alle Rechte und Freiheiten