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auf der Halbinsel behauptete, zu Felde ziehe, da rüstete er sich mit deräußersten Anstrengung zur Fortsetzung des Kampfes, und das Glückwar ihm hold. Durch eine Hofintrigue wurde Marlborough seines Ein-flusses auf die Königin Anna beraubt, die Friedenspartei gewann inEngland die Oberhand, und infolgedessen löste sich die Koalition gegenFrankreich aus. Zu Utrecht schloß 1713 jedermann Friede, mit Aus-nahme Kaiser Karls VI-, des Sohnes Leopolds I., der indes nacheinem mißglückten Feldzuge im Jahre darauf zu Ra statt für Öster-reich und zu Baden im Aargau für das Reich ebenfalls Friede machte.Das Resultat dieser Friedensschlüsse war eine Teilung der spanischenMonarchie, wobei der Löwenanteil trotz aller Niederlagen den Bour-bonen zufiel. Ludwigs Enkel erhielt als Philipp V. das eigentlicheSpanien samt den Kolonien, das aber nie mit Frankreich vereinigtwerden durste, der Kaiser Belgien, Sardinien Neapel und dieLombardei, und der Herzog von Savoyen, der gern mit dengroßen Herren spielte und immer etwas dabei gewann, Sizilien, daser später an Sardinien vertauschen mußte, nebst dem Königstitel.England behielt das von ihm eroberte Gibraltar und bekam vonFrankreich die Hudsonsbailänder, Neufundland und Neu-schottland. Preußen wurde als Königreich anerkannt. NurHolland ging leer aus und war durch den Krieg so geschwächt, daß esfortan daraus verzichtete, sich in die europäischen Händel einzumischen.
9. Ludwigs XIV. Ende (1715.) — Bald daraus starb Lud-wig XIV- im 72. Jahre seiner Regierung. Er hatte seinem Haus einneues Reich gewonnen und Frankreich um ansehnliche Provinzen ver-größert; dafür war aber der Staat rettungslos verschuldet, Seemacht,Handel, Industrie, kurz fast alles, was Cvlbert geschaffen, dahin, dasLand vielerorts verödet und das Volk in einem Elende, das aller Be-schreibung spottet. Es hatte Ludwig an warnenden Stimmen nicht ge-'fehlt. Der mutige Fsnelo n hatte noch vor dem spanischen Erfolgekriegdem Könige die Folgen seiner Eroberungskriege in den schärfsten Aus-drücken vorgestellt. Selbst der schüchterne Racine hatte gewagt, ihmeine Denkschrift über das allgemeine Elend und über die Heilmittel da-gegen einzureichen, und der greise Vauban, der trotz seiner kriege-rischen Tätigkeit, wie Ludwig XIV. sagte, „ein Narr aus Liebe zum