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Volke" war, hatte darüber ein ganzes Buch geschrieben. Aber wehedemjenigen, der dem durch Schmeichler verwöhnten Herrscher die Wahr-heit zu sagen wagte! Fsnelvn und Racine wurden vom Hofe verwiesen.Vauban sah sein Buch zum Schandpfahl verdammt und überlebte denSchimpf nur sechs Wochen. Wie die großen Minister und Feldherren,so verschwanden nach und nach die großen Gelehrten, Dichter undSchriftsteller. So stieg Ludwig XIV. ins Grab, der letzte seines Zeit-alters, einsam, traurig, verwünscht von seinem Volke, und wenig fehlte,so hatte seine Regierung für Frankreich dasselbe zu bedeuten, was die-jenige Philipps II. für Spanien.
II. Die Erhebung Österreichs, Preußens und Rußlands.
Jinmich, Geschichte des Europäischen Staatensystems von 1660—1789. Erdmannsdoerfer,Deutsche Geschichte vom westfälischen Frieden bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Großen,1648 — 1740 (Oncken). Zwiedineck-Südenhorst, Deutsche Geschichte im Zeiträume der Gründungdes preußischen Königtums, 2 Bde. Mailath» Geschichte des österreichischen Kaiserstaates, 6 Bde.Arneth. Prinz Eugen von Savoyen. 3 Bde. Stenzel-Reimann, Geschichte des preußischen Staates,7 Bde. Ranke, Zwölf Bücher preußische Geschichte, 6 Bde. Droysen, Geschichte der preußischenPolitik, 5 Teile in 14 Bdn. Prutz, Preußische Geschichte, 4 Bde. Philippson, Der große Kur-fürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, 3 Bde. Vrückner, Peter der Große (Oncken). Fryxell,Geschichte Karls XII. Dazu die Landesgeschichten, S. 1.
1. Österreich von der Belagerung von Wien biszum Frieden von Belgrad (1683—1739). — Daß trotz derVerwilderung im Gefolge des dreißigjährigen Krieges die Lebenskraftdes deutschen Volkes nicht gebrochen war, bewiesen einzelne gewaltigeMänner, die ihm in der zweiten Hälfte des 17. und im Anfange des18. Jahrhunderts zur Ehre gereichten, so der geniale Sachse Leibniz,der mit seinem wunderbaren Geiste alle Wissenschaften umfaßte und be-fruchtete, die großen Musiker Bach und Händel u. a. Ähnlich regtesich bei dem rettungslosen Siechtum des deutschen Reiches in einzelnenBruchstücken desselben ein kräftiges Leben, so daß sie zur Bildung neuerstarker Staaten Anlaß gaben. So erhob sich Österreich zu großerMacht, indem es unter der langen Regierung Leopolds I. (1657bis 1705) nicht sowohl durch das Verdienst des geistig unbedeutendenKaisers als durch das seiner tüchtigen Kriegsführer die Türken in glor-reichen Kämpfen zurückdrängte. Die Nachkommen Mohammeds undSolimans waren entnervte Weichlinge geworden, welche die Regiernngs-geschäfte gänzlich ihren „Großwefiren" überließen. Aber noch residierte