Erbsolgekrieg" nicht an seine Fahnen zu fesseln, und der Kaisermußte 1735 Neapel und Sizilien an eine Seitenlinie der spani-schen Bourbonen abtreten. Auch nahm Frankreich in diesem pol-nischen Erbfolgekrieg das Herzogtum Lothringen in Besitz, das seinSchützling in Polen, König Stanislaus Leszczpnski (Leschtschinski),Schwiegervater Ludwigs XV., für den Verzicht auf die polnische Kroneerhielt, mach dessen Tod das Land völlig an Frankreich fallen sollte.Der letzte Herzog von Lothringen, Franz, Gemahl der KaiserstochterMaria Theresia, wurde mit dem durch das Erlöschen der Medici er-ledigten Großherzogtnm Toskana entschädigt. Als sich Karl VI., trotzdes Hinschiedes seines großen Feldherrn (1736), für die erlittene Ein-buße wiederum an den Türken schadlos halten wollte, hatte er auch danur Unglück und sah sich genötigt, im Frieden von Belgrad 1739diese Festung samt Serbien und der Wallachei dem Sultan zurückzu-geben. Trotzdem blieb Österreich fortan eine Macht ersten Ranges, undwenn der Kaiser als solcher nichts mehr zu bedeuten hatte, so war erals Herrscher seines Erbstaates einer der gewaltigsten Fürsten Europas.
2. Der große Kurfürst (1640—88). — Wie die ursprüng-liche Mark Österreich sich durch die Habsburger zum österreichisch-ungari-schen Großstaat entwickelte, so die Mark Brandenburg zum preußi-schen durch die Hohenzollern, ein schwäbisches Grasengeschlecht, daszur Zeit des Konstanzer Konzils vom Kaiser Sigismund mit Branden-burg belehnt worden war (1415). Im Anfange des 17. Jahrhundertsfiel ihnen durch Erbschaft das Herzogtum Eleve nebst einigen anderenGebieten am Rhein und 1618 das Herzogtum Preußen (Ostpreußen)zu, wodurch ihr Besitz aufs Doppelte anstieg. Der westfälische Friedebrachte ihnen wieder ansehnlichen Zuwachs. Der damalige Stamm-,Halter des Geschlechtes, Friedrich Wilhelm, genannt der großeKurfürst (1640—88), fühlte sich schon so mächtig, daß er in euro-päischen Dingen ein Wort mitsprechen wollte. Er schuf sich ein geübtesstehendes Heer, unterstützte damit die Schweden in einem Kriege gegendie Polen und befreite dadurch sein Herzogtum Preußen von derlästigen Oberhoheit der letzteren (1657). In dem Kriege, den Lud-wig XIV. mit Holland begann, entzweiten sich die bisherigen Verbün-deten. Der Kurfürst schlug sich auf Seiten Hollands, die Schweden
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