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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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hielten dagegen zu Frankreich und fielen Friedrich Wilhelm ins Land,während er am Rheine stand. Aber es gelang ihm, sie 1675 bei Fehr-bellin (n. w. von Berlin) mit seinen Reitergeschwadern zu überraschenund aufs Haupt zu schlagen, worauf er ihnen sogar Pommern abnahm.Von seinen Bundesgenossen im Frieden von Nymwegen im Stich ge-lassen, mußte er zwar seine Eroberungen wieder herausgeben; aber derSieg über die Schweden, die seit Gustav Adolf als die erste Militär-macht des Nordens galten, hatte dem brandenburgischen Namen Ruhmund Achtung in ganz Europa verschafft. Auch aufs Innere erstrecktesich die Fürsorge des großen Kurfürsten. Er faßte seine über ganz Nord-deutschland zerstreuten Lande zu einem einheitlich geordneten Staars-wesen zusammen; unter seiner klugen, energischen Leitung erholten siesich von den Schrecknissen des dreißigjährigen Krieges, und nach demVorbilde Colberts suchte er Handel und Gewerbe durch allerlei Maß-nahmen zu beleben, wobei ihm die Ausnahme von 20,000 flüchtigenHugenotten trefflich zu statten kam. Andererseits freilich wurde erder Gründer des Absolutismus im preußischen Staate, indem erdie Freiheiten seiner Untertanen, namentlich das Stenerbemilligungs-recht der Ständeversammlungen, gewaltsam vernichtete.

3. Preußen ein Königreich (>70l). Sein gutmütiger,eitler Nachfolger, Friedrich I. (168817l3), der sein größtes Glückin der Nachahmung des Prunkes und Hofzeremoniells von Versaillesfand, wurde dadurch für die Weiterentwicklung des preußischen Staatesbedeutend, daß er sich 1701 von Kaiser Leopold I. als Bedingung fürseine Teilnahme am spanischen Erbfolgekriege die Erlaubnis erwirkte,sich den Königstitel beilegen zu dürfen. Er nannte sich dabei nichtKönig von Brandenburg, da er der Form nach dies Land vom Kaiserzn Lehen trug, sondern von Preußen, wo er souveräner Herrscherwar, weßhalb Königsberg und nicht Berlin die Krönnngsstadt derMonarchie wurde. Im übrigen suchte er auch als Beschützer der Künsteund Wissenschaften zu glänzen; er gründete die Universität Halleund ließ »ach französischem Muster durch Leibniz die Akademie derKünste und Wissenschaften zu Berlin einrichten. Ganzanderer Art war Friedrichs I. Sohn, Friedrich Wilhelm I. (1713bis 1740). Ein seltsames Gemisch von gemeiner Roheit und klugem.