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Sohn starb 1598 das Geschlecht Ruriks aus, und eine Zeit entsetzlicherWirren brach herein, in denen das russische Reich eine Beute der be-nachbarten Polen zu werden drohte. Mit polnischer Hilse suchten sichAbenteurer des Thrones zu bemächtigen,*) polnische Heerscharen durch-streiften raubend und mordend das Land und ^brachten vorübergehendselbst Moskau in ihre Geivalt. Da raffte sich das russische Volk ausseiner Zerrüttung auf, vertrieb die Poleu aus der Hauptstadt und setztedas mit den Ruriks verwandte Haus Romanow aus den Thron, dassich behauptete (1013).
5. Peter I. (1689—1725). — Schon umfaßte das „Mosko-witerreich" eine ungeheure Ländermasse, und dennoch bedeutete es imeuropäischen Staatenkonzert so gut wie nichts; kaum daß es einemabendländischen Herrscher je einfiel, einen Gesandten nach Moskau zuschicken. Die Russen zählten ihren Sitten nach eher zu den Asiaten, alszu den Europäern. Erst im 17. Jahrhundert lernten sie in Bettenschlafen, und Iwan der Schreckliche war noch so unwissend, daß er eineUhr, die ihm der Dänenkönig schenkte, als Zauberei zurückwies. IhreStreitmacht, deren Kern die Kriegerkaste der Strelitzen bildete, warwohl den Asiaten furchtbar, vermochte aber gegen europäische Heerenichts auszurichten, weshalb die Meeresküsten unter fremder Herrschaftstanden. Durch die Schweden von der Ostsee und durch die Türken vvmSchwarzen Meere abgeschnitten, besaß Rußland nur eine kümmerliche
*) So der falsche Demclrins (Pscndo-Dimitri), der Held von Schillersgroßartigem dramatischem Entwurf. Der letzte Zar aus dem Hause Ruriks,Jeodor I., hatte einen Bruder DcmetriuS, der schon als Kind ermordetwurde, wahrscheinlich auf Veranlassung des ehrgeizigen Boris Godnnow, desSchwagers des Zaren, der sich damit den Weg zum Throne bahnen wollte.Wirklich wurde Boris nach Feodors Tode 1598 zum Zaren ausgerufen. Datauchte 1603 in Polen ein Jüngling auf, der ein entlaufener Mönch, namensGregor Otrcpjcw, gewesen sein soll, sich aber für den auf wunderbare Weisegeretteten Demctrius ausgab. Begünstigt von den Jesuiten, die an ihm einWerkzeug zur Katholisicrung Rußlands zu finden hofften, erhielt er Unterstützungvon den Polen. Mit ihrer Hilfe begann er den Krieg gegen Boris, der wahrenddesselben plötzlich starb, und zog 1605 siegreich in Moskau ein. Die Regierungdes Pseudo-Dcmctrins dauerte jedoch nur 11 Monate. Durch mancherlei Neuer-ungen und Bevorzugung der Polen erbitterte er die Russen gegen sich, so daß1606 ein Aufstand in Moskau auSbrach, wobei er im Kreml erschlagen wurde.