Buch 
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
Entstehung
Seite
281
JPEG-Download
 

281

Justiz nahm er sich ebenso werktätig an und hörte nie auf, die Schädendes Rechtswesens, die Mäugel der Gesetzgebung ins Licht zu stellenund Abhilfe zu verlangen. Auf diese Weise sühnte Voltaire die viel-fachen Schwächen seines Lebens und Charakters und hat er den Ehren-titel eines Apostels der Aufklärung, Duldung und Humanität in voll-stem Maße verdient.

8. Montesquieu, Diderot, Rousseau, Quesnap (um1750). Kurze Zeit nach Voltaire war ein anderer vornehmer Fran-zose, der sich auch schon als Schriftsteller ausgezeichnet hatte, der Baronvon Montesquieu, Präsident des Parlaments von Bordeaux, aufeiner Reise, die er Studien halber machte, ebenfalls nach Englandgekommen. Da hielt er sich zwei Jahre aus und fand, Großbritanniensei das sreieste Land, die Republiken nicht ausgenommen.Mag einMann in England", ruft er begeistert aus,so viele Feinde als Haareaus dem Kopfe haben, etwas Übles kann mau ihm nicht antun." Dieenglische Verfassung, wie sie durch die Geschichte geworden war, schienihm das Höchste staatsmännischer Weisheit. Dieser Anschauung gaber Ausdruck in seinem berühmten Buche »Lsprit cles loisP der Fruchtzwanzigjährigen Reifens, Arbeitens und Nachdenkens. Er stellte darindie Ansicht aus, daß die Staatsgewalt eine dreifache sei: eine gesetz-gebende (legislative), eine vollziehende (exekutive) und eine richterliche.Als Grundbedingung eines freien Staates betrachtete er nun, daßdiese drei Gewalten nicht in einer Hand sich befänden, daß mit an-dern Worten der König oder die Regierung nicht nach Willkür schaltenund walten durfte, sondern au Gesetze gebunden war, die eine andereBehörde, eine Volksvertretung gab, und daß auch die Richter, vonden Befehlen der Regierung unabhängig, nur ihrem Gewissen folgendurften. DieseTrennung der Gewalten" fand Montesquieuam meisten in der konstitutionellen Monarchie Englands ver-wirklicht, deren Geist und Wesen er mit einer selbst für die Engländerüberraschenden Klarheit und Schärfe darlegte. Dadurch lenkte er dieAufmerksamkeit des ganzen Kontinentes aus diese Staatsform, in dersich Republik und Monarchie zu vermählen schienen und die im 19. Jahr-hundert ihren Siegeslauf durch Europa gehalten hat. Durch denVorgang Voltaires und Montesquieus wurden philosophische, politische