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burger mit ihm erlosch, gesucht, durch eiu Gesetz, die sogenannte prag-matische Sanktion, seiner schönen und klugen Tochter MariaTheresia und ihrem Gemahle Franz von Lothringen die Nach-folge in allen österreichischen Landen zu sichern, gegenüber An-sprüchen, welche der Kurfürst Karl von Bayern und andere erhoben.Durch Zugeständnisse allerart war es ihm gelungen, von sämtlichenMächten, namentlich auch von Frankreich und Preußen, das Versprechenzu erhalten, daß sie für die Thronfolge seiner Tochter einstehen würden.Prinz Eugen hatte freilich gemeint, besser als ein Haufen Pergamentewäre eine Armee von 200,000 Mann, und Maria Theresia sollte dieWahrheit dieses Wortes schmerzlich erfahren. Da Österreich durch deneben beendeten unglücklichen Türkenkrieg sehr geschwächt war, erhobensich Feinde gegen die junge Herrscherin von allen Seiten. Der erstewar Friedrich von Preußen, der unter dem Vorwande veralteterErbansprüche auf Teile Schlesiens in diese österreichische Provinzeinfiel, die übrigens wegen des unsäglichen Glaubensdruckes, der seiteinem Jahrhundert auf dem vorwiegend protestantischen Lande ladete,den Preußenkönig als Befreier empfing. Mit Mühe brachte MariaTheresia gegen ihn ein Heer zusammen, das jedoch 1741 von Fried-richs bewährtem Feldmarschall Schwerin bei Mollwitz (w. v. Briegan der Oder) vollständig geschlagen wurde. Auch Ludwig XV. vonFrankreich fand die Gelegenheit günstig zur Schwächung des altenErbfeindes. Trotz seiner Gewährleistung der pragmatischen Sanktionnahm er sich der Ansprüche Bayerns an und schloß samt Spanien undBayern mit dem Preußenkönig ein Bündnis zur Zerstückelung derösterreichischen Monarchie; Kurfürst Karl sollte zugleich Kaiser werden.Bayern und Franzosen rückten in Österreich ein. Für Maria Theresia,die solche Wortbrüche nicht für möglich gehalten, war das ein Donner-schlag. Da ihre deutschen Länder so gut wie keinen Widerstand leisteten,warf sie sich den Ungarn in die Arme. Mit Begeisterung jauchztendie ungarischen Großen aus dem Reichstage zu Preßburg der jugend-lichen Königin zu und beschlossen, Gut und Blut für sie zu weihen.Auch England unterstützte sie aus Feindschaft gegen Frankreich undSpanien mit Geld. Allmählich wandte sich in diesem „österreichischenErbfolgekrieg" das Glück. Die Feinde wurden zurückgeworfen, die