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österreichischen Truppen drangen ihrerseits in Bayern ein, und, währendder Kurfürst als Karl VII. in Frankfurt zum Kaiser gekrönt wurde,besetzten jene seine Hauptstadt München. Zugleich entledigte sich MariaTheresia ihres gefährlichsten Feindes, indem sie sich 1742 von Fried-rich II. durch die Abtretung Schlesiens den Frieden erkaufte.Als jedoch die österreichischen Waffen reißende Fortschritte machten,als England sich aufs engste mit Maria Theresia verband und Truppenauf den Kontinent warf, da wurde dem Preußenköuig um seine Er-oberung bange; er brach den eben geschlossenen Frieden wieder unddrang 1744 in Böhmen ein. Inzwischen starb Karl VII., der vonseiner Kaiserwürde wenig Genuß gehabt hatte, und sein Sohn beeiltesich, mit Maria Theresia Frieden zu schließen, um wieder ruhig alsKurfürst von Bayern leben zu können. Nachdem Friedrich II. auch inseinem zweiten schlesischen Kriege durch glänzende Siege seineFurchtbarkeit gezeigt, legte er die Waffen ebenfalls nieder und aner-kannte gegen die endgültige Überlassung Schlesiens die Wahl Franz I.,des Gemahls der Maria Theresia, zum Kaiser (1745). Damit warin Deutschland der Krieg zu Ende. Dagegen dauerte er noch jahre-lang in den österreichischen Niederlanden fort, wo die Fran-zosen unter dem in Ludwigs XV. Diensten stehenden Marschall Moritzvon Sachsen mehrere Siege über die Engländer und andere Ver-bündete Österreichs erfochten. Endlich machte der Friede von Aachen1748 dem achtjährigen Gemetzel ein Ende. Der einzige, der dabeietwas gewann, war der König von Preußen, der Schlesien behielt;sonst gab man sich gegenseitig alle Eroberungen zurück.
3. Ausbruch des siebenjährigen Krieges (1756). —Maria Theresia konnte sich glücklich schätzen, ihre ganze Monarchie mitAusnahme einer einzigen Provinz aus dem furchtbaren Sturme ge-rettet zu haben. Aber sie gab die Hoffnung nicht auf, auch diese wie-der zu gewinnen und zugleich den verhaßten Störenfried ihres Glückeszu züchtigen. Um ganz sicher zu gehen, suchte sie eine europäische Allianzgegen Preußen zu stände zu bringen, und das Glück war ihr aus-nehmend hold. Friedrich II., der sich gern über die Schwächen andererbelustigte, hatte durch seine Spottreden die Kaiserin Elisabeth vonRußland tödlich beleidigt, so daß diese jederzeit bereit war, mit