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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Österreich gemeinsam über ihn herzufallen. So lange jedoch das mäch-tige Frankreich auf Preußens Seite stand, schien jede Aussicht aufErfolg unmöglich. Daher setzten Maria Theresia und ihr gewandterMinister Ka unitz alle Hebel in Bewegung, um auch dieses zu ge-winnen. Kannitz fand eine Fürsprecherin an der Marquise vonPompadvur, der allmächtigen Maitresse Ludwigs XV., die sichebenfalls von Friedrich verletzt glaubte, und Maria Theresia stachelteihren Eifer durch Geschenke. Die stolze, sittenstrenge Kaiserin soll so-gar an sie Briefe mit der Anredema eoumus" geschrieben haben,was sie jedoch später entschieden in Abrede stellte. Die Einflüsterungender Pompadour fanden bei Ludwig XV. um so mehr Eingang, alsdieser selber seinem bisherigen Verbündeten grollte. Seit 1754 mitGroßbritannien wieder in einen Seekrieg verwickelt, hatte er näm-lich Preußen den Vorschlag gemacht, Hannover, das mit England inPersonalunion stand, sonst aber nichts mit ihm gemein hatte, zu über-fallen. Aber Friedrich war nicht darauf eingegangen und hatte sogarmit der britischen Regierung einen Vertrag abgeschlossen, der den .Kriegvon Deutschland fern halten sollte. So kam es in der Tat dazu, daßFrankreich seine bald 300jährige Politik, für die es noch eben die un-geheuersten Opfer an Menschen und Geld gebracht hatte, plötzlichwechselte und aus einem Feind ein Bundesgenosse Österreichs wurde,wofür das letztere seine Freundschaft mit England aufgab. Die bis-herigen Allianzen verschoben sich mithin völlig. So weit die Bündnissebekannt wurden, lauteten sie alle nur auf Verteidigung im Falle einesAngriffes; aber die eigentliche Absicht der Verbündeten ging dahin,den König von Preußen wieder auf den Rang eines Kurfürsten vonBrandenburg herunterzudrücken. Schlesien sollte an Österreich, Pom-mern an Schweden, Ostpreußen an Rußland, Magdeburg an Sachsenkommen. Friedrich war von diesen Plänen durch bestochene Beamteder feindlichen Regierungen unterrichtet und beschloß, ihnen zuvor-zukommen. Ohne Kriegserklärung rückte er im Spätsommer 1750 inSachsen ein, das mit seinen Gegnern im heimlichen Einverständniswar, und schloß das sächsische Heer in einem festen Lager bei Pirnaoberhalb Dresden ein. Als der österreichische Feldmarschall Brownein Entsatzheer heranführte, eilte er ihm entgegen nach Böhmen hinein