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lichen Tapferkeit seiner Soldaten den glorreichsten und vollständigstenSieg über die Armee, die ihn bei Kolin geschlagen.
o. Zorndors, Kunersdors, Torgau und der Friedev on Hub ertus bürg (1758—63). — Friedrich II. konnte jetzt übereinen Angriff von Westen her ruhig sein; der große britische Staats-mann William Pitt, der um diese Zeit an die Spitze des Ministe-riums trat, schloß mit ihm eine enge Allianz, vermöge deren EnglandPreußen mit bedeutenden Geldsummen unterstützte. Auch brachte Pittzum Schutze Hannovers ein Heer zusammen, dessen Befehl PrinzFerdinand von Brau lisch weig übernahm, ein trefflicher Feld-herr, der die Franzosen über den Rhein zurücktrieb und sie von da anmit Glück im Schach hielt. Aber nun rückten die Russen ernstlichheran. Noch gelang es Friedrich, sie 1758 durch den blutigen Siegvon Zorndorf (bei Küstrin), den wieder Sepdlitz durch seine stür-mische Tapferkeit entschied, zum Rückzug zu zwingen. Aber im folgen-den Jahre vermochte er die Vereinigung der Russen und der Öster-reicher unter dem geschickten Laudon nicht zu hindern. Als er dieseÜbermacht bei Kunersdors (unweit Frankfurt an der Oder) angriff,erlitt er eine so vernichtende Niederlage, daß er selbst nach Berlinschrieb: „Alles ist verloren, retten Sie die königliche Familie; Adieufür immer!" und sich mit Selbstmordgedanken trug. Nur die Zag-haftigkeit und Uneinigkeit seiner Feinde, die den Sieg nicht zu benutzenverstanden, rettete ihn. Statt mit vereinten Kräften auf Berlin los zumarschieren und durch Besetzung des Kernlandes der preußischen Mo-narchie, der Mark Brandenburg, dem Krieg ein Ende zu machen, gingendie Russen und Österreicher wieder auseinander. — Auch das nächsteJahr kämpften sie gegen Friedrich, ohne sich auf ein gemeinsames Vor-gehen einigen zu können. So war es diesem möglich, sein Dasein zufristen, ein russisch-österreichisches Streifkorps, das Berlin brandschatzte,zu verjagen und durch einen großen Sieg, den er bei Torgau ander Elbe über die Österreicher unter Dann erfocht, Sachsen zu be-haupten. Aber all der Genius, all die Standhastigkeit des königlichenHelden, all die Tapferkeit und Geschicklichkeit seiner Offiziere und Sol-daten schienen auf die Länge der Übermacht der Feinde erliegen zumüssen. Die Truppen, mit denen Friedrich die Wunder von Roßbach