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und Leutchen verrichtet, waren längst dahin. Um seine Heere zu füllen,hatte er zur Aushebung von Knaben, ja zu förmlichem Menschenraubgreifen, um feine Bedürfnisse zu bestreiten, die Münze von Jahr zuJahr verschlechtern und die von ihm besetzten Gegenden, namentlichdas unglückliche Sachsen, aufs furchtbarste brandschatzen müssen, zu-mal als ihm England, wo Pitt gestürzt wurde, die Hilfsgelder ver-sagte. Da änderte der 1762 erfolgte Tod der Kaiserin Elisabethvon Rußland die Lage der Dinge mit einem Male, indem an dieStelle der erbittertsten Feindin Friedrichs Peter III. trat, sein en-thusiastischer Verehrer, der nicht nur alsbald mit ihm Frieden, sondernsogar ein Bündnis schloß. Freilich wurde Peter schon nach einemhalben Jahre von den Anhängern seiner.Gemahlin Katharina er-mordet, und diese befahl den russischen Truppen heimzukehren. Dochbenutzte Friedrich ihre Gegenwart noch, um den Österreichern unweitSchweidnitz eine letzte Niederlage beizubringen. Nun hatte jedermanndes siebenjährigen Krieges genug, und aus dem sächsischen JagdschlösseHubertusburg (n. v. von Grimmal kam der Friede 1763 zustande,wouach alles auf den Stand vor dem Kriege zurückgeführt wurde. Sohatte Preußen den Krieg, der zu seiner Vernichtung von den drei Groß-mächten des Festlandes unternommen worden war, siegreich bestandenund nahm fortan seinen unbestrittenen Rang neben denselben ein.
6. Friedrich als Regent (1740—86j. — Von seinen Feindengefürchtet, von aller Welt als der erste Feldherr des Jahrhundertsbewundert, ging Friedrich der Große aus dem furchtbaren Ringkampfhervor. In weiser Mäßigung ließ er es aber sich nunmehr am kriege-rischen Ruhme genug sein und machte sich an die Arbeit, die schwerenWunden, welche die Waffen seinem Lande geschlagen, zu heilen, diezerstörten Städte und Dörfer wieder auszubauen und den verarmtenGutsbesitzern und Bauern durch Spenden an Geld, Saatfrucht undZugtieren unter die Arme zu greisen. Auch in der friedlichen Regenten-tätigkeit legte er eine außerordentliche Tatkraft an den Tag. Alles, wasim Staate geschah, mußte durch ihn geschehe»; in allem behielt er sichselber die letzte Entscheidung vor. Er beriet sich nicht einmal mitseinen Ministern; schriftlich mußten sie ihre Berichte an ihn einliefernund erhielten sie seine Verfügungen aus seinem Kabinette. So regierte