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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Friedrich II. in der Tat unumschränkter als selbst Luowig XIV. Aber ersetzte das Wohl des Staates, als dessen ersten Diener er sich betrach-tete, über seine persönlichen Neigungen. Als vorzüglichstes Interessedesselben sah er eine bedeutende, ivohlgeübte, schlagfertige Militär-macht und wohlgesüllte Kassen an und erreichte seinen Zweck durcheine gegen die Verschwendung der übrigen Höfe stark abstechende Spar-samkeit, die er namentlich auch an sich selbst übte, aber auch durchharten Steuerdruck. Die in- und ausländischen Erzeugnisse wurdenmit schweren Abgaben belastet und zu deren Erhebung ein Heer vonfranzösischen Stenerbeamten ins Land gezogen, die durch ihre Quäle-reien das Volk erbitterten. Auf diese Weise vereitelte Friedrich zumTeile selber seine Bemühungen, Ackerbau, Gewerbe und Handel inFlor zu bringen; wie er denn oft sonderbaren Ansichten in wirtschaft-lichen Fragen Huldigte. So weigerte er sich, gute Straßen anzulegen;je schlechter die Wege seien, meinte er, desto länger müßten die Fuhr-leute im Lande verbleiben und Geld zurücklassen. Dagegen zeigte er seineaufgeklärte Gesinnung durch die unbedingte Toleranz in Glanbens-sachen. „In meinen Staaten", erklärte er gleich im ersten Monatseiner Regierung, „müssen alle Religionen toleriert werden, keine darfder andern Abbruch tun, und jeder hat das Recht, nach eigener Fassonselig zu werden." Diesem Grundsätze gemäß gewährte er den Ver-folgten aller Lehnneinungen, den französischen Atheisten (Gottes-leugnern) und Materialisten (Geistesleugnern) wie den Jesuiten, Auf-nahme. Seinem hochgebildeten Geiste waren Künste und Wissenschaftenein Bedürfnis. Daher stellte er auch die Akademie wieder her undsuchte die berühmtesten Gelehrten und Schriftsteller Frankreichs anseinen Hof zu ziehen, so Voltaire, der eine Zeitlang sich bei ihm auf-hielt. Indessen vertrugen sich die beiden boshaften Spötter nicht aufdie Dauer, so sehr jeder am andern den Geist bewunderte. Schmerz-lich mußte dagegen die Deutschen die Teilnahmlosigkeit berühren, dieder große König ihrer aufstrebenden Literatur gegenüber bewies. DasDeutsche, das er nur mangelhaft handhabte, war ihm eine „Sprachefür Stallknechte". Während er an mittelmäßige Franzosen Pensionenund Ämter verschwendete, versagte er einem Lessing eine armseligeBibliothekarstelle. Den Volksnnterricht machte er obligatorisch.