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Bilder aus dem Altertum.
durch, daß ein Ackergesetz gemacht würde, damit die armen Bürgerwieder Grundbesitz bekämen. Kein Römer sollte mehr als 500 Juchartenvom Staatsland inne haben. Wer sich mehr angeeignet hatte, der mußtees herausgeben, damit es unter die Armen verteilt werde. Tiberiuswollte dafür sorgen, daß dieses treffliche Gesetz auch durchgeführt würde.Er wünschte nach abgelaufenem Amtsjahr wiederum Tribun zu werden.Seine Feinde aber, die nichts von ihrem Gut abtreten wollten, erhobensich in einer Volksversammlung auf dem Forum Wider ihn und tötetenden edlen Menschenfreund mit 300 seiner Getreuen.
Vergl. Lcscb. 2. Bd. S. 477 „Die Römerin".
3. Hajus Hracchus.
Das traurige Schicksal des Tiberius schreckte seinenBruder Gajus nicht ab, zehn Jahre später den-selben Versuch zu wagen. Auch er wurde Bvlkstribun. Er ließ sichmehrere Jahre hintereinander zu diesem Amt wühlen. Voll Eifer führteer die Ackergesetze durch, verschaffte manchem Armen neues Haus undHeim. Das tat er trotz aller Feindschaft der Reichen. Er hattegroßen Anhang unter dem Volk. Gajus war noch talentvoller als seinBruder Tiberius, und ganz außerordentlich war sein Rednertalent. Erließ das Volk nicht darben, er schaffte Getreide herbei. Den Ucberschuß derBewohner Roms ließ er in fruchtbaren Gegenden des Auslands sichansiedeln. Alles schien auf guteu Wegen zu sein. Er war ein Abgottdes römischen Volks geworden. Doch dieses blieb ihm nicht treu. Diegroße Menge der römischen Bürger war nicht so edel gesinnt wie er.Als er ihnen vorschlug, sämtliche Jtaliker ins Bürgerrecht aufzunehmen,fielen sie von ihm ab. Sie wollten nichts von dieser Gleichheit wissenLängst hatten die Reichen dem Tribunen Gajus tätlichen Haß geschworen.Nun gelang es ihnen, den mächtigen Mann zu stürzen. Wie sein Bruder,wurde er bei einem Aufstand erschlagen.
I. Marius, ein Bor-käufer Häfars, Kimbernund Teutonen.
V. Julius Kciscrv.
Einen Rächer fanden die Gracchen in Mä-rius. Er war als armer Bauernsohn in denBergen geboren. In Rom stieg er von Stufezu Stufe. Die Volkspartei erhob ihn zu
ihrem Führer. Er war nicht so hoch gebildet, nicht so menschenfreund-lich wie die Grachen, dafür aber ein derber Haudegen, ein gewandterHeerführer. Er wandelte das Kriegswesen der Römer ganz um. Bisjetzt war jeder Bürger wehrpflichtig gewesen. Man hatte ein Bürgerheer.Manchem war der Kriegsdienst zuwider, er suchte sich ihm zu entziehen.Da schuf Marius ein Sold- und Berufsheer, das nicht mehr demVaterland, wohl aber dem Feldherrn treu anhing, wenn er es gut führteuud besoldete. Mit seinem Soldheer rettete Marius die Stadt Rom vorgroßer Gefahr. Diese kam von nordischen Völkern, von den Kimbern