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Bilder aus der Welt- und Schweizergeschichte : zur Lust und Lehr der Jugend / Jakob Grunder, Hans Brugger
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51
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V. Die Siedelungcn der Alamaimcn.

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Unabhängigkeit liebte der Alamanne über alles.

: Kaus. k Seine Hofstatt war sein Königreich. Hier baute

. . . . . er sein viereckiges Blockhaus, seine Scheunen

iind Ställe in Lage und Richtung ganz nach Belieben. Ein hoherZaun umgab sein Besitztum. Das Wohnhaus war einstöckig. Inder Mitte des Wohnraums, der ursprünglich noch nicht in Zimmerabgeteilt war, erhob sich die Feuerstätte. Vorn Gebälk hing einKochkessel herunter. Der Rauch fand seinen Ausgang durch kleineLücken im Strohdach. Etwas Licht kam zur Tür herein. Fenstergab's noch keine. Der Fußboden wurde aus Lehm festgestampft. DenWänden entlang befanden sich die Schlafstätten. Man ruhte auf Laub,Stroh und Fellen. Da waren auch die Truhen mit allerlei Vorräten,Leinwand, Wolle, Hafermehl u. a. An den Türpfosten waren seltsameSchriftzeichen eingeritzt, um die bösen Geister von der Schwelle zubannen. Die Giebelenden oben am Dach trugen wunderliches Schnitz-werk und Schädelknochen als Schmuck. Im Garten nebenan wuchseiniges Gemüse, wie Kohl, Zwiebeln und Mangold nebst allerhandHeilkräutern. In derBünte" gediehen Hanf und Flachs.

, Wohl zog der Alamanne noch öfters auf Kriegs-

f ^ ^ züge aus. Dennoch gewöhnte er sich mehr und

. ... . mehr an die friedliche Arbeit des Viehzüchters

und Ackerbauers. Den Römern hat er eine ganz eigentümliche ArtFeldwirtschaft abgelernt. Alle Gemeindegenossen legten ihre Grund-stücke zu großen Zeigen zusammen. Jeder bestellte seinen Anteilmit der gleichen Frucht wie der andere. Es wurde zu gleicher Zeitgesäet und später ebenso geerntet. Jeder fügte sich diesem Zelg- oderFlurzwang. Die eine Zelg wurde mit Winterfrucht, Roggen,Weizen oder Spelt bebaut, das war die Winterzehg, die anderemit Svmmerfrncht, Hafer, Gerste, Hirse, Bohnen u. a. Man nanntesie Svmmerzelg. Eine dritte Zelg ließ man brach liegen, pflügtesie Mr zweimal um, z. B. im Juni (Brachmonat). Statt den Bodenzu düngen, ließ man ihn jedes dritte Jahr ausruhen. Jedes Jahrtrat ein Wechsel ein. Die Brachzelg wurde zur Winterzelg, diese zurSvmmerzelg, letztere wieder zur Brachzelg u. s. s. Das nennt mandie Dreifelderwirtschaft. Sie blieb bei uns in Übung bis zuEnde des 18. Jahrhunderts. Am frühsten von allen Getreideartenkannten unsere Vorfahren den Hafer, der Menschen und PferdenNahrung gab und auf jedem Erdreich gedieh. Das kräftige Haber-