Das Städtewesen vor 600 Jahren. 77 '
Südens, namentlich Italiens, knüpften einen gewinnreichen Handelmit dem Morgenland an. Es belebte sich auch der Handelsverkehrüber die Alpenpässe.
K. Die Ztitterorden.
In Jerusalem bestand zur Zeit des ersten Kreuz-i zugs ein Spital, genannt zum heiligen Johannes.
Viele Adelige traten hier in Dienst und pflegten die kranken Pilger.Neben der Krankenpflege übten sie auch Waffenhilfe. Sie beschirmtendie Pilger auf ihrem Weg und verbanden sich dann zu einem Ritter-orden. Er nannte sich nach jenem Spital der Johanniterorden.Tapfer und enthaltsam seiner Pflicht zu leben, gelobte der Johanniter.Er war Ritter und Mönch in einer Person. Reiche Schenkungen fielendiesem Orden zu. Er gründete überall seine Ordenshäuser oder Kom-menden. So entstand in unserm Land das Johanniterstift München-buchsee nebst dem zu Thunstetten. Etwas später trat der Ordender Deutschherren auf. Er besaß eine Kommende zu Köniz undeine zweite zu Sumiswald. Die Deutschherren von Köniz setzte KaiserFriedrich II. zu Kirchenoberen und Leutpriestern der Reichsstadt Bernein. Der ritterliche Sinn dieses Ordens ging auch auf das junge Bernüber.
Vergl. Leseb. 1. Bd. S. 410 „Wickher". S. 412 „Die Kreuzritter". S. 413 „Schwäbische Kunde".L. Bd. S. 480 „Mit zwei Worten".
Das Städtewesen vor 600 IcrHven.
1. Die Stadtöefestignnk.
: Im Mittelalter sahen die Städte ganz andersaus als heutzutage. Von weitem erschienen sie
wie gewaltige Burgen (Burgdorf, Freiburg). Sie waren Schutz- undTrutzorte gegen den allmächtigen Adel und diesem um so verhaßter, weildort der „Bürger" sich ganz seiner Freiheit erfreute. Die Städte-bewvhner umgaben ihre Stadt mit einer hohen und festen Mauer,bauten feste Tore und Türme mit hochragenden Zinnen. Außerhalbder Mauer lief noch ein breiter, tiefer Wassergraben. Bei jedemTor wohnte ein Wächter; dieser öffnete des Morgens das Tor, um esam Abend wieder zu schließen. Auch zog er die Zugbrücke, die überden Graben führte, auf und nieder. Oft wurden außerhalb der Stadtnoch besondere Befestigungen angelegt. Das war die sogenannte Land-wehr.
i Damals waren die Straßen der Städte meist krumm,; eng und finster, besonders der überhängenden Stockwerke
.> und vorspringenden Erker wegen. Nur mühsam kamen
die schweren Lastwagen hindurch; denn die Straßen waren ungepflastert,hatten tiefe Karrengeleise und waren meist kotig und weich. Schlupfwinkelzwischen den Häusern, Baumgärten, Rasenstreifen, Kirchhöfe, Dünger-
2. Das Innereder Stadt.