134 Geschichte der Eidgenossenschaft im 15. Jahrhunderts.
Kurz vor dem Feind senkten sich die geschulterten Spieße. In ge-waltigem Ansturm und unter lautem Feldgeschrei, enggeschlossen, be-gann der Angriff. Das war alteidgenössiche Kriegsweise.) Des HerzogsRitter und besoldete Fußknechte bildeten ein Heer, das nicht vielgrößer war, als das der Eidgenossen, etwa 25,000 Mann. Karlunterschätzte und verachtete seine Gegner. So sicher rechnete er aufden Sieg, daß er in seinem festen Zeltlager bei Grandson einen gewaltigenReichtum an kostbaren Sachen zur Schau stellte. Er vertraute aufseine vielen Reiter und Donnerbüchsen. Letztere waren teils B o m-barden mit kurzem, weitem Lauf, daraus man Steinkugeln schoß,teils Feldschlangen, d. h. Kanonen mit langem, engerem Rohr,welches Eisenkugeln entsendete.
Als Karl vernahm, daß die Eidgenossen imAnmarsch waren, verließ er sein Lager.Zwei Stunden seeabwärts von Grandsonordnete er sein Heer zur Feldschlacht. Es war früh morgens,den 2. März. Von der Höhe stieg die starke Vorhut der Eid-genossen zu den Rebbergen herunter. Erstaunt sahen sie die Bur-gunder kampfbereit vor sich stehen. Da galt kein langes Besinnen.Drei Vaterunser beteten sie knieend, worüber die Feinde hohnlachten.Dann schloffen sie sich zu einem Viereck zusammen mit vorgehaltenenSpießen und Hellebarden. Sie bildeten einen „Igel". Nun saustendie Pfeile herüber. Manchen Eidgenossen rissen die Kugeln nieder.Die Reiterei versuchte einen Einbruch. Doch der Gevierthaufe hieltstand. Nun gedachte der Herzog, die Eidgenossen weiter in die Ebenehinabznlocken und befahl den Seinen, sich etwas zurückzuziehen. Erwollte dem Geschütz eine andere Stellung geben. In diesem Augenblickerdröhnten die Hornstvße des eidgenössischen Gewalt Haufens. Errückte von der Berg- und Seeseite zugleich heran. Das Tosen des„Uristiers", und das Feldgeschrei fuhr den Burgundern in die Glieder.Helle Angst erfaßte sie. Der Herzog versuchte, sie zum Stehenzu bringen. Es half ihm nichts; er wurde selber mit fortgerissenin wilde Flucht. Sein reiches Lager mußte er im Stiche lassenund sprengte mit einigen Gefährten dem nächsten Jnrapasse zu. DieEidgenossen hatten nicht Reiter genug, um den Feind wirksam zuverfolgen. Tote ließ er nicht sehr viele zurück, dafür aber eine un-ermeßliche Beute. Das bnrgnndische Lager war voll von Heerwagen,Bannern, Zelten, Geschützen und Waffen aller Art. Was die Jndu-
^ 5. Die
: Schlacht Sei Hrandson.