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Die Zeit des Absolutismus.
Volke prägte er strengste Pflichttreue ein. Während er auf Reisen inseinem Wagen saß, las oder rezitierte er. Manch lustiger Spaß istihm da begegnet. Ein köstlicher Humor war ihm eigen, doch fürchtetejedermann seinen beißenden Witz und Spott. — Nenn Jahre nachSchluß des siebenjährigen Krieges vergrößerte Friedrich sein Landwieder um ein beträchtliches Stück. Das geschah bei der erstenTeilung Polens. Dieses einst so mächtige Reich geriet in einesolche Unordnung, daß es sich nicht mehr selber regieren konnte. Ampolnischen Reichstag konnte nie mehr ein Beschluß gefaßt werden;denn dazu gehörten immer alle Stimmen. Rußland, Preußenund Österreich trennten 1772 einige große Stücke von Polen ab.20 Jahre später teilten sie noch den Rest unter sich. Friedrich erhieltWestpreußen. Mit unendlicher Mühe und großen Opfern ließ erdieses Gebiet entsumpfen, bebauen und kolonisieren. Er verwandeltedie polnische Einöde in eine seiner schönsten Provinzen. Ob all derArbeit beugte sich seine hohe Gestalt. Sein Haupt war ergraut. SeinBlick erstarrte. Es schwieg sein Flötenspiel. Der „alte Fritz" starbzu Potsdam 1786.
n.? Manche Fürsten Europas nahmen sich Friedrich zum
S. Vorbild. Aus eigenem Willen, selbstherrlich, suchten sie
ihr Volk glücklich zu machen (aufgeklärter Despotismus). Kein Fürst be-wunderte seinen großen Nachbarn herzlicher als Josef 11. von Öster-reich. Lange Zeit war er Mitregent seiner Mutter Maria Theresia. Von1780 bis 1700 regierte er allein und suchte sein Land in neue Bahnenzu lenken. Niemand in seinem Reich sollte sich geknechtet fühlen. Er hobdie Leibeigenschaft auf und bestimmte, daß kein Bauer seinem Guts-herrn mehr als des Ertrages einliefern müsse. Josef erließ, wieeinst Heinrich IV., ein Toleranzedikt und gab den Protestantengleiche Rechte wie den Katholiken. Er wagte es, in seinem so strengkatholischen Staat gegen 700 Klöster aufzuheben. Doch hob er nursolche auf, die weder der Schule noch der Krankenpflege dienten. Selbstder Papst, der ihn zu Wien besuchte, konnte ihn nicht von diesen Neue-rungen (Reformen) zurückhalten. Josef suchte sein vielsprachiges Reich soviel als möglich zu vereinheitlichen und das Deutsche zur alleinherr-schcnden Sprache zu machen. Solches gefiel den Ungarn durchausnicht; sie zwangen ihn, manchen Rcfvrmbefehl wieder zurückzunehmen.Josefs Neuerungen folgten allzu rasch aufeinander. Das Volk ver-stand ihn zu wenig. So scheiterten manche seiner besten Pläne. Er hättegern das ferne Belgien gegenBayern eingetauscht; daran hinderteihn Friedrich II. Auf einem fruchtlosen Feldzug in die Türkei holteer sich den Keim zu einer tödlichen Krankheit. Erst nach seinem Tode