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Bilder aus der Welt- und Schweizergeschichte : zur Lust und Lehr der Jugend / Jakob Grunder, Hans Brugger
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265
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III. Die Nationalversammlung.

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Im Jahre 1774 kam Ludwig XVI. auf den Thron.Er war gewissenhaft, liebte das Volk und suchte zu

. sparen. Doch fehlte es ihm an festem Willen und

an Weisheit. Er ließ sich ganz von seiner Gemahlin Marie Antoi-nette, der Tochter Maria Theresias von Österreich, lenken. Diese aberliebte den Glanz und das Vergnügen. Die Schuldenlast Frankreichsmachte Ludwig XVI. große Sorgen. Er berief den vortrefflichen Türgotzum Finanzminister. Dieser suchte sogleich die Lage des Landmannesund des Handwerkers zu verbessern. Er erleichterte die Frondienste undverminderte die Abgaben. Auch erlaubte er die Einfuhr von fremdemGetreide und hob die lästigsten Zölle, Weg- und Brückengelder auf.Ludwig XVI. zeigte sich zuerst mit allem einverstanden. Adel und Geist-lichkeit aber ruhten nicht, bis sie den kühnenReformer" verdrängt hatten.Als Türgot dem König vorschlug, die Ausgaben am Hof kräftig zu be-schränken und die obern Stände ebenfalls zu besteuern, da erlahmteLudwigs Willen. Die Königin überredete ihn, Türgot zu entlassen. Lud-wig versuchte es nun mit andern Ratgebern; aber sie konnten ihm nichthelfen. Von der Finanznot gedrängt, erhob er zuletzt den reichen GenferNeck er zu seinem Minister. Dieser riet ihm, die Reichsstände ein-zuberufen. Das war seit 1613 nie mehr geschehen. Adel und Geistlich-keit sollten mit je 300, der 3. Stand mit 600 Abgordeneten vertreten sein.

4. Audwig XVI.Türgot.

III.

Losbruch der Mevotution 1789. Die Wcrtioncrbverfumrnlung.

1. Die ZteichsNände verwandelnsich in die Nationalversammlung.Im Aallhaus.

Königliche Sitzung. Wiraöeau.

Es war ein denkwürdiges Ereignis,als am 5. Mai 1789 die Reichs-stände in Versailles zusammen-kamen. Ludwig empfing die Volks-vertreter mit einer feierlichen Rede.Er bat die Stände, sie möchten ihm Mittel und Wege zeigen, umdem Land aus seiner Finanznot herauszuhelfen. Dazu war der3. Stand auch willig und bereit. Er sah aber mit Unmut, wie diebeiden oberen Stände sich von ihm sonderten. Diese wollten getrenntberaten und abstimmen. Auf diese Weise konnte dem 3. Stand dieDoppelzahl seiner Vertreter wenig nützen. Er forderte gemeinsameSitzungen und Abstimmung nach Köpfen und nicht nach Ständen,da sonst der dritte Stand immer die beiden andern gegen sich hatte.Einige Mitglieder der obern Stände, z-. B. der Marquis von La-fayette, der Graf vonMirabeau und der Bischof Talleyrand,fanden das nur billig und gerecht. (Mirabeau war vom dritten Stand