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Bilder aus der Welt- und Schweizergeschichte : zur Lust und Lehr der Jugend / Jakob Grunder, Hans Brugger
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266
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266 Zeitalter der große» Revolution bis 1815.

gewählt worden.) Der Streit dauerte monatelang. Unruhen brachenim Lande aus. Da dachten die Männer des dritten Standes, siewären es dem Volke schuldig, einen entscheidenden Schritt zu tun: sieerklärten sich zur Nationaloersammlung und sagten, sieseien die wahren, berusenen Vertreter der 25 Millionen Franzosen.Und als sie eines Tages ihren gewöhnlichen Sitzungssaal verschlossenfanden, begaben sie sich in das leerstehende Ballhaus. Das warein leerer Raum, wo sich die Höflinge gewöhnlich im Ballspiel übten.Hier schwuren sie begeistert, sie wollten nicht eher auseinandergehen,

bis sie dem Land eine Verfassunggegeben hätten. Das schien ihnennoch dringlicher und wichtiger zusein als die Schuldentilgung. Darvberschrak die Adels- und Hofpartei.Sie trieb den sonst wohlmeinendenKönig zur Strenge gegen den drittenStand. Er berief alle drei Ständezu einer königlichen Sitzungein. Er tadelte scharf den Schritt,den sich die Männer des drittenStandes erlaubt hatten, und erklärteihn für ungültig. Dann befahl erallen, den Saal zu verlassen. DerAdel und die Geistlichen gehorchten,der dritte Stand verharrte auf seinenSitzen, um zu beraten. Da kam einfeingekleideter Königsdiener herein und wiederholte den Befehl seinesHerrn. Ihm rief der Volksreduer Mirabeau würdevoll zu:SagenSie Ihrem Herrn, dem König, daß wir hier tagen im Namen desVolkes und daß wir hier verbleiben, es sei denn, daß man uns mitden Bahvnetten vertreiben werde." Der König wagte es nicht, mitPvlizeigewalt gegen die Volksvertreter einzuschreiten. Die Vertreterder niedern Geistlichkeit schlössen sich den Sitzungen des dritten Standesan. Die Bischöfe und der Adel folgten ihrem Beispiel auf Befehl desKönigs. Die Ständeversammlung hatte sich in eine wahre National-versammlung verwandelt.

Nlirsbeau.