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Zeitalter der großen Revolution bis 1815.
3. Die Macht des 4. August.Aste Morrechte abgeschafft.
Dem Beispiel der Hauptstadt folg-ten die Provinzen. Ein grauen-voller Bürger- und Bauernkriegbegann. Jede Stadt und jede Gegend hatten ihre „Bastillen", die siezertrümmerten. Allnächtlich rötete sich der Himmel vom Flammenschein der Burgen. Die Nationalversammlung übernahm nun dieFührung des Landes, dessen Not ihre Tätigkeit anspornte. Siehalf dem Volke die alten Zustände beseitigen. In der denkwürdigenSitzung vom 4. Angust 1789, welche bis morgens 2 Uhr dauerte,schafften die Vertreter des Volkes in edlem Wetteifer alle Lasten derLeibeigenschaft: die Grundzinse, Frondienste, Zehn-ten, sowie den Zunftzwang und alle Vorrechte desAdels und der Geistlichkeit ab. Freiheit, Gleichheit,Brüderlichkeit sollten fortan die Herrschaft führen.Die Nationalversammlung erließ jetzt auch eine Erklärung der Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich anRechten geboren. Alle Gewalt geht vom Volke aus.Das Gesetz soll für alle das gleiche sein." Sie gab nunFrankreich eine neue Verfassung. Diese verwandelte den Staatin eine konstitutionelle Monarchie, d. h. in ein Königtum,das durch die Verfassung eingeschränkt war. Eine gesetzgebendeVersammlung von Abgeordneten des Volkes sollte über Gesetze,Steuern, Krieg und Frieden entscheiden. Doch konnte der Königmittelst eines aufschiebenden Vetos die Ausführung ihrer Beschlüssebis auf vier Jahre hinaus verweigern. Das Land ward neu eingeteiltin Departemente, Bezirke und Gemeinden. An die Stelleder königlichen Beamten traten zum größten Teil solche, die dasVolk wählte. Auch das Gerichtswesen bekam eine neue Gestalt.Geschwornengerichte sollten eingeführt werden (Assisen). An die Stelledes alten Zunftzwanges trat Gewerbe- und Niederlass ungsfrei hei t. Glaubens- und Gewissensfreiheit, Preß frei -heit und Vereinsrecht wurden gewährleistet. Die Neuordnungbetraf auch die Kirche. Sie verlor ihren Grundbesitz, und dieser wurdean Tausende von Bauern verkauft. Die Pfarrer sollten fortan vonden Gemeinden gewählt und vom Staat besoldet werden. Aus alldiesen Beschlüssen mußte ein ganz neues Frankreich hervorgehen.