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Zeitalter der großen Revolution bis 1815.
Innern des Landes unter den Unzufriedenen furchtbar auf. Endlichaber gerieten die Schreckensmänner selber aneinander. Zuerst fielMarat, dann Danton und endlich der abscheulichste von allen, Robes-pierre. Allein trotz des Bürgerkrieges im Innern legte Frank-reich nach außen eine gewaltige Tatkraft an den Tag. Großbritan-nien, Holland, Spanien, Portugal, Sardinien und der Papst hattensich nach Ludivigs Enthauptung den Feinden Frankreichs angeschlossen.Da führte Carnot die allgemeine Wehrpflicht ein und riefalle waffenfähige Mannschaft zwischen 18 und 25 Jahren unter dieFahnen. „Das Vaterland ist in Gefahr", hieß es. Die Offiziers-stellen wurden von nun an den Fähigsten eingeräumt. Im Hand-umdrehen hatte Frankreich Überfluß an tapferen Generälen; die Be-förderung war eine rasche. Einige stiegen in drei bis vier Jahrenvom Leutnant zum General empor. Die begeisterten Revolutions-kämpfer schlugen die Söldnerheere der Verbündeten überall zurück.Die Franzosen eroberten zuerst Savoyen und Nizza, dannBelgien und Holland. Die französische Republik fing an, Tochter-republiken zu gründen. Holland wurde in die batavische Repu-blik umgewandelt.
Der Konvent führte viele wichtige Neuerungen ein. Er suchte dasSchulwesen neu zu begründen durch Errichtung von Volksschulen,Gymnasien und Hochschulen. Er führte auch eine neue Zeitrech-nung ein und arbeitete ein neues Maß-, Münz- und Ge-wichtssy stein aus. Um das Kirchen Wesen kümmerte sich derStaat nicht mehr. In Paris und andern Orten schaffte mau eineZeitlang den Gottesdienst ab. — Im Herbst 1795 bekam Frankreichwiederum eine neue Regierung, das Direktorium, welches fünfMitglieder zählte. Die neue gesetzgebende Behörde bestand aus demRat der Fünfhundert und dem Rat der Alten. Nach demSturz der Schreckensherrschaft atmete das Land wieder auf. DasDirektorium hatte von der Konventsregierung ein schweres Erbeübernommen: den Krieg mit dem Ausland und eine schrecklicheFinanznot. Trotz der Einziehung der Kirchengüter und des Ver-mögens der Emigranten steckte die französische Regierung in bittererGeldverlegenheit. Sie ließ Geldscheine drucken und gab ungezählteMillionen von solchen „Assignaten" aus. Diese hatten baldkeinen Wert mehr. Daher suchte Frankreich seine leeren Kassen zufüllen mit den Schätzen der Nachbarländer, die es durch die SiegeBonapartes und andrer Generale unterwarf.