VII. Die Weltreiche.
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reich an Hülfsquellcn, nahm in Land- und Bergbau, in Handel undIndustrie einen unvergleichlichen Aufschwung. Es zählte 1860 in vier-unddreißig Staaten und sieben Territorien schon über 28 Millionen Ein-wohner. Unter diesen waren 3*/s Millionen Sklaven. In den südlichenStaaten wurde der Plantagenbau hauptsächlich von diesen betrieben.Die nördlichen Staaten wollten nun die Menschenrechte auch ausdie schwarze Rasse ausdehnen. Es schied sich in der Sklaven fragedie republikanische Partei des Nordens von der demokratischendes Südens. Lange Zeit standen die Plantagenbesitzer des Südens in derUnion obenan ; aber 1860 gewannen die Republikaner die Oberhand undmachten Abraham Lincoln zum Präsidenten. Da bildeten sechs Süd-staaten einen Svnderbund und trennten sich von der Union. DieRepublikaner erklärten die Union als unauflöslich und sicherten nacheinem vierjährigen Ringen die Einheit des Staates. Auf weitem Raumwurden zahllose Gefechte und Schlachten ausgesuchten. Die festorganisiertenund wvhlgerüsteten Südstaaten waren anfangs im Vorteil; aber die Nord-staaten führten unter den kühnen Generälen Sherman und Grautdie gute Sache zum Sieg und eroberten endlich Richmond, die Haupt-stadt ihrer Gegner. Mit Beginn des Jahres 1864 waren alle Sklavenim Gebiet der Union frei geworden. Bald darauf wurde der edle Lin-coln von einem rachsüchtigen Sonderbündler im Theater von Wa-shington erschossen; er war kurz zuvor noch einmal zum Präsidentengewählt worden.
Nach dem Sonderbundskrieg entfalteten sich die Kräfte der Unionnoch gewaltiger als vorher. Als Napoleon III. sich in amerikanische An-gelegenheiten einmischen wollte und viel Geld verschwendete, um dieRepublik Mexiko in ein Kaiserreich zu verwandeln, da drohte die Unionmit Krieg. Napoleon mußte von seinem Plan abstehen. Keine Monarchiewurde geduldet, und 1893 verwandelte sich auch das Kaiserreich Bra-silien in einen Freistaat. Bald darauf erhoben sich die Kubaner widerihre Herren, die Spanier. Die Union gewährte den Aufständischen Hilfe.Mit Leichtigkeit besiegte sie die spanische Flotte. Die letzten Reste seinereinst so gewaltigen Kolonialmacht lieferte Spanien an die Union aus:Kuba, Pvrtorico und die Philippinen. Spanien büßte für alledie Gewalttaten und Räubereien, die es an den Bewohnern der neuenWelt verübt hatte. Im Kampf auf Kuba zeichnete sich Roosevelt(rnswelt), der Anführer der „rauhen Reiter", besonders aus. Er wurdePräsident der Union und erwarb sich in der Weltpvlitik als Friedens-stifter einen ehrenvollen Namen. Die Union führt das Riesenwerk desPanamakanals zu Ende. Sie gebietet über eine mächtige Flotte; an denKosten für ihr kleines Landheer trägt sie nicht schwer. Auf den Welt-markt wirft sie eine gewaltige Menge von Erzeugnissen des Bodens undder Industrie. Wirtschaftlich sticht sie auch Mittel- und Südamerika vonsich abhängig zu machen, um so den ganzen „neuen" Weltteil zu be-herrschen.