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seine meisten Siege errungen hatte. Die Grenze nach Norden wurdebis zur Donau vorgeschoben und befestigt. In Deutschland kämpftenDrusus und Tiberius siegreich. Aber im Jahre 9 n. Chr. wurdeder römische Statthalter Varus im Tentoburger Walde von denDeutschen unter Armin völlig geschlagen und infolge dessen Deutsch-land vor der römischen Eroberung bewahrt.
6. Augustus, der in seiner eigenen Familie, besonders durchdie Ränke seiner herrschsüchtigen Gemahlin Llvia, sehr unglücklichwar, starb im Jahre 14 n. Chr. Seine nächsten, aus seiner Ver-wandtschaft hervorgegangenen Nachfolger herrschten als ruchlose Tyran-nen nach dem menschenfeindlichen Grundsätze: sie mögen hassen, wennsie nur Furcht haben.
§ 47.
Nero.
1. Der Kaiser Nero insbesondere ist ein Beispiel, wie tief derMensch sinken kann, wenn er einmal seine Seele ganz der Sündehingiebt. Schon in seiner Jugend wurde er durch schmeichlerischeHöflinge zum Heuchler. Doch herrschte er anfangs noch milde,so lange er den Unterweisungen seines Lehrers Ssneca folgte.
2. Bald aber ergab er sich ganz dem Einflüsse eines laster-haften Weibes und versank nun von einem Frevel in den anderen.Seine Mutter Agrippina wollte ihn von dem verderblichen Um-gänge abziehen und drohte endlich, seinen Stiefbruder auf den Thronzu erheben. Deswegen vergiftete er nicht nur diesen, sondern ließdie eigene Mutter aus dem Wege räumen, wie später auch seineGemahlin, seinen Lehrer und viele angesehene Römer.
3. Nero frevelte wie ein Wahnsinniger. Denn um der marter-vollen Gewissensangst seines Innern zu entgehen, stürzte er sichnoch mehr in unsinnige Gelüste und Verbrechen. So ließ er (64)Rom an mehreren Orten anzünden, um sich das Schauspiel einerbrennenden Stadt zu verschaffen, verfolgte dann aufs grausamste dieChristen, welche er als Urheber des Brandes vor dem Volke an-gab. In dieser Verfolgung kamen auch die beiden Apostel Petrusund Paulus um. Doch baute er Rom prächtiger wieder auf.
4. Endlich trat er sogar als Sänger und Wettkämpfer im
Theater auf und ließ sich von dem Pöbel Beifall klatschen. Doch
schämte man sich endlich eines so nichtswürdigen Herrschers. Es
brachen überall in den Provinzen Empörungen aus. Nero, vonallen verlassen, floh aus Rom und ließ sich auf einem Landgute
von einem Freigelassenen töten (68 n. Chr.), wobei er die Worteausgerufen haben soll: „Welch ein Künstler geht an mir verloren!"