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Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
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zur lateinischen, der Sprache der Kirche und des Hofes, dann vonder Volksart im Gegensatz zur fremden).

5. Obwohl die Germanen sich in verschiedene Stämme trennten,fehlte ihnen doch das Gefühl der gemeinsamen Herkunft nicht gänzlich.Dies beweist die uralte Stammsage unseres Volkes. Nach ihrverehrten die Deutschen in ihren alten Liedern, die bei ihnen die Stelleder Geschichte vertraten, den erdgeborenen Gott Tuisto und dessenSohn Mannus (d. h. Mensch) als Stammvater ihres Volkes.Von den drei Söhnen des Mannus seien die drei Hauptstämmedes deutschen Volkes und deren Zweige ausgegangen.

6. Hinsichtlich der Sprache zerfällt das Germanische in dasGotische, Nordische und Deutsche und das letzte seinerseitswieder in das Ober- oder Hochdeutsche und in das Nieder-oder Plattdeutsche. — In der teilweise erhaltenen gotischenBibelübersetzung des gotischen Bischofs Ulfilas (um 370) besitzenwir das älteste größere Denkmal über die frühere Beschaffenheitunserer Sprache.

§ 55.

Gesittung der Deutschen,

1. Was die Sitten und Einrichtungen unserer Vorfahrenbetrifft, so zeigt sich darin viel Löbliches und Verständiges. Dieselbenschildert uns der römische Geschichtsschreiber Tacitus (um 100n. Chr.) in seiner „Germania" am eingehendsten.

2. Er rühmt die schönen Eigenschaften der Germanen, wie dieLiebe zur Wahrheit und Freiheit, die Treue, Gastfreundschaft, Tapfer-keit, den tiefen Sinn für Religion und ein reines Familienleben.Diesen Tugenden stellt er Lust am Würfelspiel und Trunk, Mangelan Einheitssinn als Fehler unserer Vorfahren gegenüber. DieGermanen schildert er als große, kräftige, durch Jagd und Kriegabgehärtete Gestalten mit blauen Augen und goldgelbem Haar, dasin Rom als besonderer Schmuck galt.

3. Die Religion unserer Vorfahren war eine Naturreligion.Wie die Griechen, verehrten sie die Kräfte der Natur als persön-liche Wesen. Die Deutschen hatten selten Bildnisse von ihrenGöttern. Sie verehrten sie in heiligen Hainen oder auf Bergen,nicht in Tempeln. Denn sie hielten es der Größe der Himmlischennicht angemessen, die Götter in Mauern einzuschließen oder ihnendas Aussehen der menschlichen Gestalt zu geben. Der Gottesdienstbestand in festlichen Umzügen, in Gebet und in Opfern, zu denenKriegsgefangene, Tiere (besonders Pferde), Feldfrüchte u. a. ver-wendet wurden.

4. Als höchstes Wesen verehrten sie Wodan (Odin), denAllvater, von dem alle guten Gaben kommen, und der vom Himmel