99
Eidgenossenschaft. Bald traten nach mehrere andere umliegendeStädte und Gebiete, wie Luzern, Zürich, Glarns, Zug undBern (die acht alten Orte) diesem Bunde bei, dessen gänzlicheUnabhängigkeit vom Deutschen Reiche übrigens erst im WestfälischenFrieden 1648 anerkannt wurde.
4. Die Sage erzählt viel Schönes, wie die Schweizer den Druckabwendeten, den Albrecht durch seine Vögte ausüben ließ, um dieSchweizer zu österreichischen Unterthanen zu machen. Da traten einigewackere Männer, darunter Werner Stauffacher aus Schwyz,Walter Fürst aus Uri, Arnold von Melchthal aus Unter-wal den, auf dem Rütli zu einem Bunde zusammen und schwureneinen Eid zu Gott, unbeschadet der Rechte des Kaisers und desReiches, die grausamen Vögte zu verjagen und die alten Frei-heiten zu behaupten. Bald darauf wurde der verhaßteste der Vögte,Geßler, der auf seiner Burg zu Küßnacht hauste, wegen seinerunmenschlichen Härte von dem kühnen Urner Wilhelm Dell getötet.Am Neujahrstage 1308 erstürmten die Verbündeten die Zwingburgen,nahmen den Landvogt von Landenberg gefangen und brachten ihnin schöner Mäßigung unverletzt über die Grenze. Doch KönigAlbrechts Zorn entbrannte heftig; mit Heeresmacht zog er heran,um die Waldstädte zu züchtigen.
5. Albrecht wurde 1308 am User der Reuß von seinem eigenenNeffen Johann, dem der ländergierige Kaiser sein Erbe in Schwa-ben vorenthielt, mit Hilfe einiger Verschworenen ermordet. Vondieser Unthat erhielt Johann den Beinamen Parricida, d. i. Ver-wandtenmörder.
6. Die Schweizer verteidigten heldenkühn die alte Freiheitgegen alle Versuche Österreichs, das Land zu unterwerfen; so inder Schlacht am Morgarten* (1315) und bei Sempach (1386).Hier errangen sie über die Österreicher unter dem tapferen HerzogLeopold von Österreich einen glänzenden Sieg, nachdem, wie dieSage erzählt, Arnold von Winkelried die feindlichen Lanzenreihensterbend durchbrochen hatte.
§ 79.
Ludwig der Baier und Friedrich der Schöne von Österreich.
1. Unter den deutschen Kaisern im 14. Jahrhundert ragen durchedle Treue und Freundschaft Ludwig, Herzog von Baiern, undAlbrechts Sohn, Friedrich der Schöne von Österreich hervor.Beide wurden nach dem Tode Kaiser Heinrichs VII. von Luxem-burg, der durch Heirat Böhmen an sein Haus gebracht hatte, vonzwei Parteien gewählt (1314).
* Morgarten, ein Berg im Konton Zug.
7*