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durch großen Ländererwerb zu außerordentlicher Macht zu erheben.Der abenteuerliche Herzog Karl der Kühne von Burgund, dei>auch die reichen Niederlande beherrschte, hatte gegen die Schweizerdie blutigen Schlachten bei Granson und Murten (1476) und beiNancy (1477) das Leben verloren. Dessen einzige Tochter Mariaheiratete Maximilian und brachte die Niederlande an das HausHabsburg.
5. Noch größeren Glanz erwarb Maximilian seinem Hausedurch Vermählung seines Sohnes Philipp mit der spanischenJnfantin Johanna, der Tochter des Königs Ferdinand desKatholischen von Aragonien und der Königin Jsab ella vonKastilien. Denn der Sohn aus dieser Ehe, Karl, war nicht nurder Erbe jener beiden unter ihm vereinigten spanischen Königreicheund deren Nebenländer (Neapel, Sizilien, die Kolonieen in Amerika),sondern er wurde auch nach dem Tode seines Großvaters Maximiliandurch Wahl der Kurfürsten als Karl V. deutscher Kaiser (1519).
---- - - — - 6. Das Leben dieses mächtigen Kaisers war
'r "s« l v* sehr mühe- und sorgenvoll. Er hatte mit König————- Franz I. von Frankreich, der auf KarlsMacht eifersüchtig war, und mit den Türken viele harte Kämpfezu bestehen. Unter seiner Regierung vollzog sich in Deutschlanddie Reformation, durch welche allmählich die ganze Lage der Dingein Deutschland und im übrigen Europa sehr geändert undumgestaltet wurde.
7. Auf dem Throne des mächtigsten Reiches der Erde, in demdie Sonne nie unterging, hatte er die Eitelkeit irdischer Macht undirdischen Glanzes kennen gelernt. Der Regierung müde, beschloß er,der Herrschaft zu entsagen und seine letzten Tage in Ruhe hinzubringen.
8. Auf einer feierlichen Versammlung zu Brüssel (1555)übergab er seinem Sohne Philipp II. Spanien mit den dazugehörigen reichen Kolonieen, ferner die Niederlande und Neapel.Seinem jüngeren Bruder Ferdinand I., der bereits König vonUngarn und Böhmen geworden war, überließ er mit den deutschenösterreichischen Ländern die Kaiserwürde. So teilte sich dasHaus Habsburg in die spanische und die österreichische Linie. Er selbstzog sich in das Kloster St. Just in Estremadura in Spanien zurück,wo er 1558 starb.
§ 90.
Martin Lnther und Ulrich Zwingli oder die deutsche undschweizerische Reformation.
1. In die christliche Kirche waren im Laufe der Zeit mancherleiÜbelstände und Mißbräuche eingedrungen, deren Abstellung schon