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längst von vielen gewünscht und für notwendig gehalten wurde. Manverlangte daher Verbesserung (Reformation) der Kirche anHaupt und Gliedern.
Dies geschah insbesondere auf den beiden großen Kirchenversamm-lungen zu Konstanz und Basel im Lause des 15. Jahrhunderts.Dies Verlangen wurde zu Anfang des 16. Jahrhunderts fast all-gemein. Da aber manche sich hartnäckig einer Kirchenverbesserungwidersetzten, führte dies endlich zu einer Kirchentrennung, dieanfänglich von niemandem beabsichtigt morden, war.
2. Veranlassung dazu gab, daß Papst Leo X. im Jahre1517 einen Ablaß ausschrieb, um Geld zur Vollendung der präch-tigen Peterskirche in Rom zu erhalten. Diesen Ablaß Predigtein Norddeutschland der Dominikanermönch Tezel auf eine ärgerlicheWeise; er unterhielt den Wahn des großen Haufens, als ob manohne Reue und Buße, allein durch den Ablaß, also mit Geld vonSünden sich loskaufen könne. Der Ablaß war aber nichts Anderesals Nachlaß von Bußen, welche die Kirche anf grobe Vergehengelegt hatte, um sie desto eher zu verhindern.
3. Viele tadelten das Benehmen jenes Mannes, am erfolg-reichsten der Augnstinermönch Martin Luther. Dieser, eines Berg-manns Sohn, wurde am 10. November 1483 zu Eisleben geboren.Nach einer harten, zu Mansseld, Magdeburg und Eisenach (FrauCotta) verlebten Jugend studierte er zu Erfurt die Rechte. Alser einst seinen Freund ermordet fand und selbst fast von einem Blitzeerschlagen wurde, verzweifelte er an seinem Seelenheil und trat insAugustinerkloster (1505). Trotz der härtesten Büßungen fand er dieRuhe erst, als der Vorsteher seines Ordens, Staupitz, ihn aus dieBibel hinwies. Nun widmete er sich mehr der Theologie und demStudium der Bibel. In der Wissenschaft wohl bewandert, wurdeer Professor der Theologie an der von dem Kurfürsten Friedrichdem Weisen von Sachsen neu errichteten Hochschule zu Mitten-der g (1508).
4. Als solcher schlug Luther am 31. Oktober 1517 —--
95 Sätze oder Thesen an die Schloßkirche zu Wit- 1517tenberg über die eigentliche Bedeutung des Ablasses und
gegen dessen Mißbrauch. Darüber entstand bald großer mation.Streit. Luther wurde zur Verantwortung nach Romberufen, hatte aber durch Vermittlung seines Kurfürsten, der den vor-trefflichen und beliebten Lehrer von Wittenberg nicht fortlassen wollte,mit dem päpstlichen Gesandten Cajetan eine erfolglose Unterredungzu Augsburg (1518). Dem milden Miltitz versprach Luther zuAltenburg (1519) zu schweigen, wenn auch seine Gegner schwiegen.Doch griff ihn der gelehrte Dr. Eck an, so daß Luther sich ihmzu einer Unterredung zu Leipzig stellte (1519). Hier leugnete Lutherbesonders die Unfehlbarkeit der Konzile, indem er behauptete, daß
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