Buch 
Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
Entstehung
Seite
122
JPEG-Download
 

122

4. Das einst so blühende, aber durch die GewaltherrschaftPhilipps II. ganz erschöpfte Spanien mußte auch nach lang-jährigem, vergeblichem Kampfe im Westfälischen Frieden (1648)die Unabhängigkeit der sieben nördlichen Provinzen anerkennen.Sie bildeten nun einen Freistaat, nach der vorherrschenden ProvinzHolland genannt. Unter erblichen Generalstatthaltern ausdem Hause Oranien gelangten sie zu großer Blüte, besonders durchHandel, Schiffahrt und Gewerbefleiß, eroberten viele spanischeKolonieen und errangen die Herrschaft zur See. Auch Künste undWissenschaften wurden gepflegt.

5. Die südlichen oder belgischen Provinzen blieben spanisch.Sie kamen aber nach dem Aussterben des Habsburgischen Hauses inSpanien im Anfang des 18. Jahrhunderts an Österreich und amEnde desselben infolge der französischen Revolution an Frankreich.

6. Später nach dem Sturze des französischen Kaisers Napoleon I.wurden im Jahre 1815 die belgischen Provinzen mit Hollandvereinigt, und das Haus Oranien erhielt nun den Königstitelüber die „Vereinigten Niederlande". Aber infolge der Juli-Revolution in Frankreich 1831 trennten sich die Belgier wiedervon Holland.

8 95.

Die Reformation in Schweden, Frankreich nnd England.

1. Die drei normannischen Reiche, Dänemark, Schwedenund Norwegen waren durch die kalmarische Union (1397) unterder Herrschaft der dänischen Könige zu einem Reiche vcreingtworden.

--— Als aber Christian II. von Dänemark mit großer

1223 Grausamkeit gegen die unzufriedenen Schweden verfuhrWaia^ und viele der Vornehmsten hinrichten ließ (Stockholmer

--— Blutbad 1520), stellte sich einer derselben, Gustav

Wasa, an die Spitze der Schweden und vertrieb die Dänen. Erselbst aber wurde zum Könige von Schweden erwählt (1523) undführte nun die Reformation daselbst ein. Auch in Dänemark undNorwegen wurde bald daraus die lutherische Lehre eingeführt.

2. In Frankreich gewann die Reformation, besonders von derSchweiz aus, schon frühe viele Anhänger, die man Hugenottennannte. Gegenseitige Unduldsamkeit führte zwischen ihnen und denKatholiken bald zu den blutigen Hugenottenkriegen. Von derblinden Parteiwut jener traurigen Zeit zeugt eine Begebenheit, dieunter dem Namen der Bartholomäusnacht oder der PariserBluthochzeit bekannt ist.