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3. Dann vertrieb er den dritten Feind, den König August II.von Polen, der zugleich Kurfürst von Sachsen war. Karl drangauch in dieses Land ein und nötigte den Kurfürsten zur Niederlegungder polnischen Krone (1706).
4. Unterdessen hatte der Zar Peter Jngermanland erobert undan der Mündung der Newa Petersburg, die neue Hauptstadt seinesReiches, gegründet (1703).
- 5. Karl verließ endlich Sachsen und rückte sieg-
1^09 in Rußland vor. Zu seinem Unglücke aber ließ
Puttawa^ er sich von dem Kosaken-Hetmann Mazeppa in die
-- Ukraine locken. Auf dem Marsche litt das Heer
während eines sehr strengen Winters bald an allem den größtenMangel. Dazu wurde er stets von den Russen verfolgt. Mitdiesen kam es bei Piiltiiwa zur Schlacht, in der die Schweden vonden Russen gänzlich geschlagen wurden (1709).
6. Karl flüchtete zu den Türken, die er nun gegen die Russenaufreizte. Peter wurde auch am Pruth mit seinem Heere von denTürken so eingeschlossen, daß sein Untergang unvermeidlich schien.Da rettete ihn angeblich seine kluge Gemahlin Katharina, die dentürkischen Großvezier durch Geld zu gewinnen wußte, so daß er dieRussen abziehen ließ und mit ihnen Frieden schloß.
7. Karl verweilte jedoch noch fünf Jahre voll Trotz in derTürkei, obgleich indessen seine Feinde, zu denen auch Preußen undEngland getreten waren, die meisten schwedischen Besitzungendiesseits der Ostsee eroberten. Einst widersetzte er sich sogar inseinem Hause zu Bender (in Bessarabien) mit wenigen Leuten einergroßen türkischen Schar.
8. Endlich kehrte Karl auf einem abenteuerlichen Ritt durchDeutschland nach Stralsund zurück. Doch mußte er trotz dergrößten Tapferkeit den Dänen die Stadt überlassen. Er begab sichnach Schweden und schickte sich an, Norwegen zu erobern. Dortwurde er vor der von ihm belagerten Festung Friedrichshall durcheinen Schuß getötet (1718).
9. In den nun erfolgenden Friedensschlüssen erhielt PeterLivland, Esthland und Jngermanland, Preußen Vorpommernbis zur Peene. Hannover bekam Bremen und Verben, Däne-mark ein Stück von Schleswig, während August II. wieder alsKönig von Polen anerkannt wurde. — Damit war Schwedenaus seiner Großmachtstellung verdrängt und Rußland an seineStelle getreten.
10. Peter starb 1725. Ihm folgte seine Gemahlin Katha-rina I. Diese, die Tochter eines litauischen Bauern, war vonPeter ihrer Einsicht und Schönheit wegen auf den Thron erhobenworden.