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Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
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Der Mann, der vor kurzem noch als der gewaltigste Herrscher inEuropa galt, wurde nach einer Zusammenkunft mit König Wilhelmin einem Schlößchen unweit Sedans auf Schloß Wilhelmshöhebei Kassel gebracht.

Welch' eine Wendung durch Gottes Fügung!"*

14. Zu gleicher Zeit hatten auch vor Metz heftige Kämpfestattgefunden. Bazaine suchte, sich durchzuschlagen und mit MacMahon zu vereinigen. Er wurde aber nach' blutigen und hart-näckigen Kämpfen in die Festung zurückgeworfen und blieb dort ein-geschlossen.

15. Eine so beispiellose Niederlage wie der Schlag von Sedanzerstörte die Täuschungen, mit denen die Napoleonische Regierungdurch lügenhafte Angaben über den Verlauf des Krieges das fran-zösische Volk hingehalten hatte. Um so unaufhaltsamer kam jetzt dieErbitterung gegen die nächsten Urheber des Krieges zum Ausbruch.

Die Absetzung Napoleons wurde ausgesprochen ^ -

und Frankreich zum drittenmal zur Republik erklärt. Sturz desEineRegierung der nationalen Verteidigung" zweiten(unter General Trochu, Jules Favre, Gambetta Kaster-u. a.) wurde eingesetzt. Die Kaiserin Eugenie entflohmit ihrem Sohne Lulu nach England. Da aber die Anhänger derRepublik erklärten,keinen Finger breit Erde, keinen Stein ihrerFestungen" dem Feinde überlassen zu wollen, nahm der Krieg seinenFortgang.

e. Der Kampf mit den Heeren der Repnblik.

1. Nach den außerordentlichen Erfolgen der deutschen Waffenan der Maas rückten die deutschen Heere in raschem Vormarsch vonallen Seiten unaufhaltsam gegen die französische Hauptstadtvor. Seit dem 19. September war die riesige Weltstadt, aus welcheralle Deutschen vertrieben waren, mit ihren gewaltigen Bollwerken ineinem Umkreis von etwa 80 durch das deutsche Belagerungsheer(anfangs nur 122 000 Mann, später 250 000 Mann) völlig ein-geschlossen.

2. Das große deutsche Hauptquartier nahm seinen Sitz inVersailles. Von hier aus wurde nun im großen und ganzen derKrieg geleitet, der sich allmählich über das ganze nordwestliche Frank-reich und südlich bis zur Loire ausbreitete. Überall waren deutscheTapferkeit und Ausdauer von günstigstem Erfolge begleitet. Die

legen" König Wilhelm antwortete:Indem ich die Umstände bedauere,unter denen wir uns begegnen, nehme ich den Degen Ew. Majestät, an undbitte Sie, einen Ihrer Offiziere zu bevollmächtigen, um über die Übergabedes Heeres zu verhandeln, das sich unter Ihrem Befehle so tapfer geschlagenhat. Meinerseits habe ich den General Moltke dazu bestimmt."

* Worte des Königs Wilhelm an feine Gemahlin.