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Auszug aus der alten, mittleren und neueren Geschichte / Karl Julius Ploetz ; neu bearbeitet von Friedrich Kähler
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247
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Die Wende des Mittelalters und der Neuzeit. 247

(S. 206), mißt den Landesherren unumschränkte Gewalt zu (S. 200,204), schließt das Volk und den Adel von der Teilnahme an derRechtsprechung und Verwaltung aus und überträgt diese denrömisch gebildeten Juristen. So bildet sich im Laufe der Zeitüberall der fürstliche Absolutismus aus, wie ihn in ItalienFriedrich II. begründete (S. 204). In Deutschland werden dieFürsten nach und nach absolute Territorialherren, deren Selb-ständigkeit die Kaiser nicht zu bezwingen vermögen. Unter demEinfluß des römischen Rechts wird auch die Erstgeburtsfolge unddie Aufhebung der Landesteilungen allmählich durchgeführt, z. B.für Brandenburg in der Dispositio Achillea von 1473, für Bayern1506 usw.

An die Stelle des alten ritterlichen Lehnsaufgebots tritt dasSöldnerheer (Landsknechte), das weniger durch den Fahneneidals durch die Soldzahlung an die Fürsten gekettet (vgl. 8. 251),die sicherste Stütze des Absolutismus wird. Der Unterhalt dieserstehenden Heere durch Steuern aufgebracht, deren Bewilligung denLandständen (Vertretung der Geistlichkeit, der Vasallen undStädte) vorbehalten bleibt.

Das Rittertum verliert den militärischen Vorrang seit derEinführung der Feuerwaffen (8. 242) an die Landsknechte unddie bürgerliche Artillerie. Die Burgen gewähren keinen sicherenSchutz mehr. Infolge der veralteten Art der Bewirtschaftung(Dreifelderwirtschaft) ist der Ackerbau unrentabel geworden, zumaldu Verhältnis zu den städtischen Erwerbszweigen. Hierdurch unddurch die fortgesetzten Erbteilungen der Adelsgüter verschlechtert®!ch auch die materielle Lage der Ritter. Daher Erhöhung derLeistungen und Abgaben der Bauern, die infolge der Bevölkerungs-z unahme auch vielfach die Hufen teilen müssen, da sie von jedemgewerblichen Betrieb der Bürger ausgeschlossen sind. In den Städtenblühen Handel und Gewerbe. Ansammlung großer Kapitalien inden Händen der patrizischen Geschlechter, z. B. Weiser und Fugger*n Augsburg (S. 256). Blüte der Kunst und Literatur. Pflege desMeistergesanges (Hans Sachs in Nürnberg). In den Städten ge-ordnete Verwaltung, Sorge für Unterricht, Arme und Kranke,Während der fürstliche Staat für die Volkswohlfahrt wenig leistet,^cil es ihm an Geld und Beamten fehlt.

Über den Einfluß der Erfindungen und Entdeckungen jenerZeit vgl. S. 242, 245.

Durch die Erfindung der Buchdruckerkunst (S. 224) werdendem Einzug neuer Gedanken und Anschauungen auf allen Ge-rieten des geistigen Lebens die Tore geöffnet. Sie istder wich-J^gste Beitrag deutschen Geistes zur Kulturgeschichte der Mensch-heit.

, Aufblühen der Wissenschaften und Künste in Deutsch-and, angeregt durch den von Italien aus sich verbreitenden Huma-ni $mus (S. 230). Deutsche Humanisten: Johann von Dalberg,