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Auszug aus der alten, mittleren und neueren Geschichte / Karl Julius Ploetz ; neu bearbeitet von Friedrich Kähler
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Die Konsularregierung.

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Bonaparte eilt, nachdem er den Oberbefehl in Ägypten anden General Kleber übertragen bat, mit wenigen Begleitern nachFrankreich zurück, um das Mißgeschick der französischen Waffenwieder gutzumachen. Er stürzt im Einverständnis mit den DirektorenSieyes und Roger-Ducos und seinem Bruder Lucian Bonaparte,dem Präsidenten des Rates der Fünfhundert,

9. Nov. durch den Staatsstreich des 18. Brumaire das-Direktorium und treibt am folgenden Tage den Ratder Fünfhundert auseinander.

17991804. Die Konsularregierung.

Napoleon Bonaparte an der Spitze des Staatesals erster Konsul auf 10 Jahre; neben ihm zwei von ihm er-nannte Konsuln mit nur beratender Stimme.

Die neue (vierte) Verfassung, von Sieyes entworfen, abervon Napoleon bedeutend verändert, durch Abstimmung von derganzen Nation angenommen, läßt den Schein einer Republik be-stehen, schafft aber in Wirklichkeit eine Militärmonarchie. EinSenat (80 reich besoldete und wenig beschäftigte Senatoren) er-kennt aus den von den Departements eingesandten Namenlistendie Mitglieder der gesetzgebenden Gemalt, die obersten BeamtenUnd Richter. Gesetzgebende Gewalt ohne Vorschlagsrecht: a) Tri-bunat (100), verhandelt über die Vorschläge der Regierung, ohneabzustimmen; b) Gesetzgebender Körper (300), hat diese Vor-schläge ohne Debatte anzunehmen oder abzulehnen. Die ausübendeGewalt hat der erste Konsul, dem ein Staatsrat zur Seite steht.Talleyrand (früher Bischof von Antun, dann im Dienst der Re-volution) Minister des Auswärtigen (bis 1807).

Die Verwaltung wird neu geordnet und wieder zentralisiert(S. 339 f.); strenge Abhängigkeit der Präfekten in den Departe-ments und ihrer Unterbeamten von der Regierung in Paris. Ord-nung der Finanzen wiederhergestellt; Verbesserung der Rechts-pflege, Ausarbeitung eines neuen Gesetzbuches (Code Napoleon1804).

Die Friedensanträge des ersten Konsuls werden von EnglandUnd Österreich zurückgewiesen; nur Kaiser Paul von Rußlandschließt sich an Napoleon an und erneuert die bewaffnete See-n eutralitäl (8. 327). Bald darauf auf sein Anstiften Abschlußder Nordischen Konvention zwischen Rußland, Schweden, Däne-mark, Preußen (1800), gegen England gerichtet. Ein englischesGeschwader von 18 Linienschiffen greift die dänische Flotte vorKopenhagen an (2. April 1801) und zwingt Dänemark zu einemWaffenstillstand. Der Plan der Engländer, auch die russischeOstseeflotte zu überwältigen, kommt infolge der Ermordung Pauls I.(23. März) nicht zur Ausführung (s. S. 352).

1800. Napoleon führt sein Heer (32 000 Mann) über denGroßen St. Bernhard (Umgehung des Forts Bard),schlägt die Österreicher unter Melas bei MarengO (14. Juni, Gen.