wie Vaterlandsliebe, Opferwilligkeit, Gehorsam gegen dieGesetze, Rechtschaffenheit und Einfachheit der Sitten mehr undmehr. Zwar hob sich die Bildung der Römer, als sie mit dergriechischen Kunst und Literatur bekannt wurden; aber un-geheure Reichtümer kamen aus den Provinzen nach Rom undnährten die Selbst- und Genußsucht. Erfolglos traten Männerwie Cato für die altrömische Sitteneinfachheit ein.
2. Die Provinzen wurden durch Prokonsuln oderProprätoren verwaltet. Sie hatten die höchste bürger-liche, militärische und richterliche Gewalt inne. Für das Finanz-wesen stand ihnen ein Quästor zur Seite. Diese Beamtenbenutzten ihre Amtszeit, nur sich auf Kosten der Provinzen zubereichern. Die Steuern einer Provinz verpachtete der römischeStaat an reiche Leute, die sich zu Gesellschaften zusammen-geschlossen hatten. Diese Steuerpächter ließen danndurch zahlreiche Unterbeamte nicht nur das Geld aufbringen,das sie dem Staate zahlten, sondern sie alle erpreßten zu ihrerBereicherung erbarmungslos von den Provinzen weit höhereSteuern. Die Folge war, daß die Provinzen mit der römi-schen Herrschaft unzufrieden wurden.
3. Große Unzufriedenheit herrschte auch bei den römischenBundesgenossen. Sie hatten wohl die Lasten desKriegsdienstes zu tragen wie die römischen Bürger, aber siehatten nicht dieselben politischen Rechte wie diese.
4. Besonders traurig war die Lage der Bauer n. Schwerdrückte sie die W e h r p f l i ch t, da die Kriege oft lange dauer-ten und fern von der Heimat geführt wurden. Die massenhafteEinfuhr billigen Getreides aus den Provinzen machte esihnen unmöglich, ihr Getreide noch nutzbringend zu verkaufen.So konnten sie ihren Hof nicht mehr halten und verkauften ihnan die reichen Leute. Während so der Bauernstand immermehr zurückging, bildete sich ein Großgrundbesitz aus, derauf den ausgedehnten Ländereien (Latifundien) nur Sklavenbeschäftigte. Zogen die Bauern nach dem Verkauf ihres Gutes indie Stadt, so fehlte es ihnen auch hier an Gelegenheit zurArbeit, da im Handwerk und in den Fabriken fast nur diebilligen Sklaven verwendet wurden. So verschwand derBauernstand mehr und mehr. Während auf der einen Seiteder aus der Provinz nach Rom strömende Reichtum stets zu-nahm, aber sich nur in den Händen einer Minderheit ansam-melte, vermehrte sich die Zahl der besitzlosen Bürger (Prole-tarier) ungeheuer, und der Gegensatz zwischen Armen undReichen verschärfte sich inimer mehr.