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gewachsen waren. Das Rittertum verlor mehr und mehr anBedeutung. Da die Ritter die gewerbliche Tätigkeit verachtetenund hauptsächlich von den Abgaben der Bauern lebten, dasEinkomme» aus Grund und Boden aber mit der Zunahme derGeldwirtschaft an Wert verlor, so gerieten sie in wirtschaftlicheNot. Sie wurden zu Raubritter» und Wegelagerern. Maßlos inihrem Hasse gegen die immer wohlhabender werdenden Städte,drückten sie rücksichtslos den Bauernstand.
3. Ein freier Bauernstand hatte sich nur im heutigenFriesland, in der Schweiz und jenseits der Elbe erhalten. Sonstwaren die Bauern meist zu Leibeigenen herabgedrückt worden.Die Lasten, wie die Zehnten, die Hand- und Spanndienstewurden von den Gutsherren willkürlich vermehrt. Die wach-sende Bedeutung des Geldes verschlimmerte die Lage deskleinen Mannes. Die wirtschaftliche Not der Bauern führte zuAusständen, wie der des „Bundschuh" im Elsaß und des„Armen Konrad" in Württemberg.
4. Dagegen hatten die Städte wesentlich an Bedeutunggewonnen. Die Zahl der Reichsstädte war gewachsen;unter Kaiser Maximilian wurden mehr als 70 gezählt. Handel,Gewerbe und Handwerk blühten mehr und mehr auf. DerWohlstand wurde größer. Mit Erfolg erstritten sich die zuZünften vereinigten Handwerker Anteil an der Verwaltungder Stadt. Die Einwohnerzahl war nicht bedeutend;Großstädte im heutigen Sinne fehlten. Die Häuser warenmeist Fachwerkbauten, mit Stroh oder Schindeln bedacht.Wohlhabendere Bürger bauten sich Wohl Wohnhäuser ausStein. Selten waren die Straßen gepflastert; die Beleuchtungfehlte fast ganz. Laut und geräuschvoll war das gesellige Leben.In Kleidung und Schmuck wurde vielfach großer Aufwandgetrieben, gegen den die Behörden durch Kleiderordnungenerfolglos ankämpften.
5. In den Städten fanden auch die K ü n st e ihre Pflege.Die Obrigkeit richtete Stadtschulen ein und sorgte füreine bessere Bildung. Handwerker übten sich in der Kunstdes „Meistergesanges". Singschulen gab es in Augs-burg, Ulm, vor allem in Nürnberg, wo später der vielseitigsteMeistersänger, Hans Sachs, lebte. Die Stadt-chroniken bilden noch heute eine wichtige Geschichtsquellc.In Nürnberg lebten der bedeutendste deutsche Maler AlbrechtDürer und der berühmte Erzgießer Peter Bischer.Auch das K u n st h a n d w e r k wurde gepflegt und liefertemanchem wohlhabenden Bürger seine noch heute bewundertenErzeugnisse.